Aktuelle Tourenberichte

Sportklettern am Atlantik - Sommer 2009



Für einen bergsportlich aktiven Student stellt sich im Sommer immer die Frage, wann sind die Prüfungen vorbei, die Hausarbeiten abgegeben und steht ein Praktikum an? Wenn das alles geklärt ist, kann es in den Urlaub gehen. Am besten Richtung Süden, irgendwohin, wo Fels und Meer, Einsamkeit und Großstädte nah zusammen liegen.
Gebiete um das Mittelmeer sind klasse: Da kann man mit gutem Wetter rechnen und muss sich keine Gedanken über Schlafmöglichkeiten machen. Also ging es los nach Spanien. Vier Leute, ein Auto, ein Surfboard, ein Bodyboard, ein Skimboard, zwei Seile und das ganze Klettergerassel, eine hundert Meter lange Slackline für die Ruhetage und noch eine Slackline, um das Surfboard auf dem Dach fest zu machen, zuletzt noch ein gutes Lied im Ohr.
Das Ziel war der Norden Spaniens. Weil der Weg dorthin so lang ist, haben wir einen kleinen Stopp in der Südpfalz eingelegt. Auch dort kann man an Sandstein klettern und der ist sogar rot. Die Südpfalz bietet recht spannende Lochkletterei an zum Teil stark überhängendem Fels. Am Münzfels und nebenan am Jungfels kann man die angeblich jeweils besten 7-er, 8-er und 9-er im Gebirge klettern: „Zwergenschreck“, „Jahreswechsel“ und „Alles unter Konzentrolle“. Für diese drei Touren hat sich der Zwischenstopp auf jeden Fall gelohnt. Aber wir wollten noch bis zum Atlantik und dabei die Maut zu umgehen, dauert seine Zeit.
Weit sind wir nicht gekommen, in Frankreich, da gab das Auto den Geist auf. Bei der Fahrt im Standgas ging der Motor einfach aus. Das macht sich natürlich schlecht beim Schalten und Bremsen und an der Ampel sorgt man natürlich auch für Aufsehen, beim Spiel mit dem Gaspedal. Nach über 1000 Kilometern in diesem Fahrstil kam uns die Idee, die Stellschraube für das Standgas hoch zu drehen. Mit 2000 Umdrehungen blieb der Motor an. Auf jeden Fall ist das intelligenter als einen Stein ans Gaspedal zu hängen.
Eines guten Morgens erreichten wir den Atlantik bei Biarritz. Die Wellen waren gut, die Priese steif und zu viel Wasser ist schlecht für einen Kletterer. Also weiter nach Spanien. Die beeindruckenden, 300 Meter hohen Konglomeratgipfel von Riglos sollten unser Spielplatz für die nächsten Tage sein. Die Kletterei hier ist sehr witzig. Man klettert an einem senkrechten bis 45 Grad überhängenden Kartoffelacker. Das heißt man bekommt einfach nur dicke Arme.
Da die Absicherung sehr gut ist, kann man mit einem 80 Meter Seil und Wechselführung, ohne Pause, 160 Meter am Stück klettern. Da bekommt der Onsightgedanke eine ganz andere Dimension.
Im Sportkletterurlaub schafft man es meistens nicht länger als zwei Tage am Stück zu klettern. Das heißt jeder dritte Tag ist ein Ruhetag. Selten macht man an solchen Tagen viel Sinnvolles, aber bei Riglos haben wir den perfekten Highlinespot gefunden: Eine alte Brücke von der nur noch die Pfeiler standen. Bis jetzt war dies meine mit etwa 50 Metern längste und anstrengendste Highline. Aber umso intensiver war das Gefühl auf ihr zu laufen.
Zurück zum Klettern. Riglos machte zwar Spaß, aber da jede Tour wie die andere ist, hat es uns bei Zeiten Richtung Rodellar gezogen. Das Sportklettergebiet schlechthin, mit Überhängen, Grotten und Sintern, gehackten und angeklebten Griffen, mit Bohrhaken und Umlenkern, mit schreienden und kiffenden Spaniern. Am bekanntesten ist natürlich „Ali Hulk mit extension“ von Dani Andrada, eine Aneinanderreihung zweier Boulder und anschließender Routenkletterei. Wer will, kann das für 9b+ klettern.
Für alle Anderen, die nicht in kleinen Grotten herumbaumeln wollen, gibt es über 30 Meter lange Sinterlinien, aber auch stark überhängende, großgriffige Ausdauertouren sowie kleingriffiges, senkrechtes Leistengehacke. Ein Muss für jeden Besucher in Rodellar ist der Delphin. Hoch überm Tal, hängt man an einem natürlichen Torbogen schier horizontal. Mit nur zwei schweren Zügen, ist der Delphin die wohl spaßigste 7c+ im Gebirge.
Rodellar ist nicht nur durchs Klettern bekannt, denn die vielen engen Täler locken hunderte von Canyoningtouristen an. Natürlich haben wir am Ruhetag Canyoning gemacht. Allerdings habe ich, um mich von dem Ruhetag zu erholen, noch einen Ruhetag gebraucht.
Der Urlaub ging Richtung Ende und wir traten nun unseren Rückweg an. Doch zunächst ein Zwischenstopp in Barcelona. Barcelona ist eine verdammt teure Stadt, also haben wir die Nacht durchgefeiert, um die Übernachtungskosten zu sparen. Am Morgen sind wir dann nochmal ins Gebirge nach Montserrat gefahren. Von Weitem sieht Montserrat wie Adersbach aus: Viele große Gipfel mit Potential für wunderschöne Highlines. Die Kletterei hier ist sehr ausdauernd an kleinen scharfkantigen Löchern.
Doch es wurde Zeit für den Heimweg. Noch einmal im Meer gewaschen und ab Richtung Deutschland. Das Oktoberfest haben wir rechts liegen gelassen und sind direkt in den sächsischen Sandstein gefahren.
Letztlich freue ich mich nach jedem Sportkletterurlaub wieder darauf, meine Hände in einen Riss zu stecken, um einfach nur entspannt, sächsisch zu klettern. Denn egal wo man auf der Welt zum Klettern kommt, so gut wie im Elbi ist es, will ich meinen, nirgends.