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Tourtipp Prägraten Hohe Tauern

Mit Schneeschuhen ins Virgental (Hohe Tauern)

Matrei in Osttirol – wir biegen ab ins ruhige Virgental, an dessem Ende die gewaltige Venedigergruppe steht. Wir wollen eine Woche lang einen aktiven Silvesterurlaub im Nationalpark Hohe Tauern verleben. Wir treffen an unserer Pension „Ferienhaus Tirol“ in Prägraten auf unsere Freunde, die bereits einen Tag früher aus dem fernen Bochum angereist sind. Das Wetter ist gut und wir sind zuversichtlich, gemeinsam mit unseren beiden Berner Sennenhunden ein paar wunderbare Bergwanderungen unternehmen zu können und setzen uns gleich am Abend zusammen, um die nächsten Tage zu bequatschen.
Im Sommer ist Prägraten ein Ausgangspunkt für die Großvenediger-Besteigung. Doch im Winter ist es hier eher ruhig. Als Tourenziele haben wir die verschiedenen Hütten und Almen ausgesucht, die über den Jahreswechsel teilweise sogar bewirtschaftet sind. Im Gemeindeamt gibt es ein Tourismusbüro, wo man sich darüber sowie über die Schnee- und Lawinenverhältnisse gut informieren kann. Auch Schneeschuhe kann man hier ausleihen. Wir hatten uns aber schon zu Hause Schneeschuhe und Verschüttetensuchgerätschaften in der Geschäftsstelle unserer DAV-Sektion Chemnitz ausgeliehen. Gute Vorbereitung ist eben alles!!
 
Stabanthütte – ein Schlößchen überm Virgental
Wir wollen es ruhig angehen und erst einmal die Hunde testen. Der Schnee liegt 1 m hoch – eine neue Erfahrung für die beiden Fellnasen. Daher laufen wir auf einem Winterwanderweg auf den nahen Hügel, bebaut mit einer kleinen Bauernsiedlung, dem Ortsteil Bichl. Die Sonne lacht, der Schnee funkelt und wir beschließen, die Wegverhältnisse zur Stabanthütte zu erkunden. Der Wanderweg zur Hütte verläuft zumeist über einen tief verschneiten Fahrweg gemütlich durch lichten Bergwald hinauf. Eine schmale Spur ist schon vorhanden, und so kommt es, daß aus dem Erkunden bereits ein Besuch der Stabanthütte wird. Etwas abenteuerlich führt der Weg auf den letzten 100 m auf einem holprigen Holzsteg an einer Felswand ent­lang zur Hütte hinauf, wo uns die gut gelaunten Gäste auf der Terrasse vor der Hütte mit einem fröhlichen Hallo begrüßen! Die Sonnenterrasse bietet einen wunderbaren Talblick, ein Kinderspielplatz mit einer kleinen Blockhaushütte ist auch vorhanden. In der gemütlichen Gaststube mit Bauernofen gibt es durchgehend warme Küche. Die beiden Wirtsleute sind echt urig und ziemlich lustig. Die Stimmung ist bestens, und nach dem Begrüßungs-„Schnaps’l“ noch besser, so daß auch der Rückweg recht kurzweilig wurde.
Die auch optisch sehr schön anzuschauende Stabanthütte ist zur beliebtesten „erwanderbaren Hütte“ der österreichischen Wanderdörfer gekürt worden – wir können dies nur bestätigen!
Wir werden auf jeden Fall im Sommer nochmal vorbeischauen, wenn wir auf dem Adlerweg zur Sajathütte aufsteigen werden. Der Adlerweg ist die schönste Verbindung zwischen Prägraten am Großvenediger und Kals am Großglockner. (www.virgental.at/stabanthuette)
Bichl.JPG Aufstieg Stabanthütte.JPG Stabanthütte 1.JPG
Stabanthütte 2.JPG Essen Stabanthütte.JPG  

Nilljochhütte – uriges Blockhaus über dem Tal

Nach dieser positiven Erfahrung sollte es am nächsten Tag noch einmal zu einer besonderen bewirtschafteten Hütte gehen. Wir haben gehört, daß ein Thüringer sich auf einem Bergrücken hoch über dem Tal niedergelassen und dort ein Blockhaus aus kanadischen Tannen errichtet hat. Das wollten wir uns ansehen!
Da wir am Vortag so gute Wegverhältnisse vorgefunden hatten, wanderten wir diesmal wieder ohne Schneeschuhe los. Von Obermauern ging‘s gemütlich einen Fahrweg aufwärts, der an 2 schönen Holzhäusern endete. Hier nun mußten wir steil über einen Hang aufsteigen. Wir hatten zwar eine alte verwehte Spur, aber sackten immer wieder knietief ein und ärgerten uns, daß wir ohne die „Bigfoots“ unterwegs waren. Nach 20 Minuten standen wir auf einem gratähnlichen Bergrücken, wo der Schnee durch die Sonne etwas eingeschmolzen und dadurch meist sehr fest war. Eine Supersicht nach rechts und links ins Tal belohnte uns jedoch für die Mühen, und bald tauchte auch die ersehnte Hütte zwischen den Krüppelkiefer-Flecken über uns auf. Die Nilljochhütte besitzt eine große Sonnenterasse mit fantastischem Panoramablick aufs gesamte Virgental, die gegenüberliegende Lasörlinggruppe und auf die Malhamspitzen, im Inneren einen tollen Gastraum mit großem Kamin.
Wir bleiben bei dem schönen Wetter gleich draußen sitzen und genießen den Ausblick. Schade, daß wir im Winter nicht auf anderem Weg hinuntersteigen können. Die steilen, unbewaldeten Hänge hinter der Hütte sind sehr lawinengefährdet und müßten dazu gequert werden. Im Sommer eine schöne Variante, bei winterlichen Verhältnissen zu gefährlich! (www.nilljochhuette.com)
Gusti genießt.JPG Blick übers Virgental.JPG Relaxen am Nilljoch.JPG
Aufstieg zur Nilljochhütte.JPG Nilljochhtte.JPG Silvester überm Virgental.JPG
kleine Kapelle am Nilljoch.JPG    

Göttliche Schneeschuhwanderung

Die dritte Tour, die uns zu einer im Winter nicht bewirtschafteten Alm führen soll, steigt von Virgen (Marin) auf einem Wallfahrtspfad über einen wunderschönen, mit alten Lärchen bewachsenen Waldrücken steil zur Aller-Heiligen-Kapelle hinauf, die an einen großen Felsen herangebaut wurde. Genauso schön führt der Weg weiter hinauf. Der Schnee wurde tiefer und das Gehen beschwerlicher. Ruhig stapften wir weiter bis zur Gottschaunalm. Eine uralte Alm mit einer rustikal gezimmerten Sitzgruppe an der Südseite  der Hütte. Die aus alten, tiefbraun bis schwarz gefärbten Holzbohlen gezimmerte Hauswand hatte sich von der Sonne aufgewärmt, und es ließ sich angenehm rasten. Ein paar Knacker mit Brot, Lebkuchen und Glühwein aus der Thermoskanne hatten wir für diese schöne Raststelle mit heraufgebracht. Wir relaxten eine gute Stunde. Hier waren wir ganz alleine und wir genossen die Stille an der Alm, den Blick über die verschneite Almwiesen, wo vereinzelt alte Lärchen dem zuweilen doch recht rauen Klima hier oben trotzen, auf die umliegenden Berggipfel. Gegenüber konnten wir die Wetterkreuzhütte erkennen. Vom Tal aus sind laut Karte über 1000 Höhenmeter zu überwinden, ein bewaldeter Steilhang führt zu dieser an der Waldgrenze liegenden Hütte - lawinensicher und über 2000 Meter! Wir beschlossen, in den nächsten Tagen auch diese Hütte zu besuchen. Zuerst mußten wir aber die heutige Tour beenden. So schnallten wir wieder die Schneeschuhe an und stapften durch die Tiefschnee-Wiese zum Waldrand hinunter. Auf schmalem, steilem Pfad schlängelten wir uns durch den uralten Nadelwald hinunter. Steile Passagen mit Schneeschuhen zu gehen ist erst einmal etwas gewöhnungsbedürftig. Die Füße rutschen in den Schuhen nach vorn und stoßen an der Schuhspitze an – Nachschnüren! Der weitere Abstieg ist teilweise steil, ab und an schauen Zweige von abgebrochenen Äste aus dem Schnee und wir müssen höllisch aufpassen, da nicht hängenzubleiben und zu stolpern. Bereits nach 1,5 Std. ist der Abstieg geschafft. Wir fragen uns, warum wir über 3 Stunden hinauf gebraucht haben… (http://gottschaunalm.weebly.com)
Allerheiligenkapelle.JPG Aufstieg zur Gottschaunalm.JPG Gottschaunalm 3.JPG
Gottschaunalm 2.JPG Gottschaunalm 1.JPG Sonnenbank Gottschaunalm.JPG
Panorama.JPG Gusti.JPG Schneeschuhgusti.JPG

Schneeschuhtour zur Wetterkreuzhütte (2106m) - ein Erlebnisbericht

Das Wetter hatte sich in den letzten Tagen völlig gewandelt. Innerhalb 2 Stunden war das Thermometer von -5 auf +10 Grad  angestiegen, ein starker Wind blies das Tauwasser vom Dach. Es regnete zeitweise, der Wetterbericht verkündete für unseren letzten Tag starke Schneefälle über 1000m in den Nördlichen Tiroler Bergen. Bei uns regnet‘s dennoch weiter, ab Mittag sollen die Wolken jedoch aufreißen. Vielleicht hat der Wetterbericht ja zumindest in diesem Punkt recht.
Für den letzten Tag hatten wir uns die „große Tour“ zur Wetterkreuzhütte vorgenommen...
Im Gemeindeamt direkt gegenüber unserer Pension finden wir einen aktuellen Lawinenlagebericht, der über zunehmende Lawinengefahr durch Neuschnee und Sturm informiert. Wir beschließen, zu dem oberhalb der gleichnamigen Hütte auf ca. 2115 m gelegenen Wetterkreuz zu steigen. Einer der wenigen lawinensicheren Aussichtsberge im oberen Virgental. 1050 Höhenmeter erwarten uns. Eine 7-8 Stunden-Tour. Es ist bereits halb 10. Trotzdem gehen?? Wir wagen es, Stirnlampe und genügend Verpflegung im Gepäck – umkehren können wir ja immernoch. Laut Karte sieht‘s nach einem steilen relativ direkten Aufstieg aus – und als wir gegen 11 Uhr endlich am „Einstieg“ an der Iselbachbrücke standen, ging es auch gleich sehr steil los. Der Schnee war durch den immernoch andauernden Regen aufgeweicht, und man fand kaum festen Halt. Also Schneeschuhe an, gleich ging es deutlich besser. Bald stellte sich ein gleichmäßiger Rhythmus ein. Wir stapften durch den steilen Fichtenwald aufwärts. Nach einer knappen Stunde erreichten wir endlich die Höhe, wo der Schnee noch auf den Zweigen liegen blieb und nicht ständig in den Nacken tropfte. An einer kleinen Waldwiese, die etwa 60 cm hoch verschneit war, besserte sich unsere Laune zusehends. Es hat aufgehört zu regnen und man konnte bereits ein paar der umliegenden Berge durch die grauen Wolkenfetzen hindurch erkennen. Gusti, unsere Berner Sennhündin, die uns immer brav begleitet, freute sich ebenfalls über die unberührte Winterlandschaft und sprang übermütig im Tiefschnee herum.
Wir stiegen weiter. Der Weg wurde etwas abwechslungsreicher. Zweimal führte der Aufstieg durch Kahlschläge, wo der Schnee tief und der richtige Weg schwer erkennbar war. Bloß gut, daß noch eine alte Spur schemenhaft unter dem Neuschnee zu sehen war. Es war dennoch ziemlich anstrengend, trotz der Schneeschuhe knietief einzusinken und den Weg zu spuren. Unseren Hund freute es. Gusti stapfte fröhlich in dem hinter uns entstandenen „Tiefschneegraben“ hinterher. Nach 2,5 Stunden leuchtet plötzlich die Sonne durch die Zweige, und wenig später lichtete sich der Wald, und ein paar Almhütten luden zu kurzer Rast ein. So saßen wir bald vor einer der alten Holzhütten auf einer Holzbank, welche durch ein darauf liegendes Brett schneefrei und trocken gehalten wurde, schlürften heißen Tee und genossen eins unserer belegten Brötchen. Nach eingehendem Kartenstudium waren wir uns sicher, auf der Pollnitzen Alm auf ca. 1880 m zu sein. Wir waren müde und uns kam schon der Gedanke, diese stille, einsame Alm mit den tiefverschneiten Hängen als Tagesziel gelten zu lassen. Diese Hüttchen lagen einfach so genial mit tollem Blick auf den Nachbarberg. Es war bereits 13.40 Uhr. 15 Uhr hatten wir uns als Umkehrzeit festgelegt, definitiv ohne Wenn und Aber! Also los, weiter! Über den verschneiten Hang mußten wir abermals kämpfen, die Stöcke erreichten nicht mehr den festen Boden und so kam nun zum stupiden, kräftezehrenden Steigen auch noch „Gleichgewichthalten“ dazu. Gut, daß wir am Waldrand die alte Spur wiederfanden, auf der man nicht so tief einsackte. Hier oben hatte sich das Waldbild plötzlich gewandelt. Ältere, teils auch recht dicke Lärchen wuchsen hier und standen in etwas weiterem Abstand als in unseren heimischen Forstwäldern. So war es hier etwas heller, kleinere, jüngere Fichten und offenbar regelmäßig angepflanzte Schwarzkiefern, die man bei uns im Elbsandsteingebirge aus dem Nationalpark heraussägt, standen auf den lichten Flächen, um zu einem neuen dichten Bergwald heranzuwachsen.
Nach einer Dreiviertelstunde endlich erblickten wir eine riesige, glänzende Schneefläche an deren Beginn die Wetterkreuzhütte stand und an deren Ende sich über mehrere weite und teils sehr steile Hänge und Grate sich der 2700 m hohe Hauptgipfel erhob. Wir beschlossen aufgrund der vorgerückten Stunde an der Hütte unsere große Rast einzulegen. Auf der kleinen Anhöhe hinter der Hütte stand ein großes Holzkreuz, welches wir nun als unseren höchsten Punkt und Tagesziel akzeptierten. Der eigentliche „Gipfel“ wäre noch 80 m höher gewesen und wegen der Schneesituation noch bestimmt 30 - 40 min entfernt gewesen. Naja, der frühe Vogel…
Am Wetterkreuz hielten wir uns jedoch nicht lange auf. Schneeverwehungen erschwerten den Weg. Der Sturm blies uns die Schneekristalle ins Gesicht. Der Blick ins Tal war trotzdem beeindruckend. 1000 m tief lagen die kleinen Dörfchen, dahinter die Bergflanken der gegenüberliegenden Gipfelgruppe. Schnell stiegen wir zur Hütte zurück, wo es ein windgeschütztes Plätzchen gab. Auf der Bank schauten wir sehnsüchtig zum nahen Berggipfel hinauf und beschlossen auf jeden Fall im Sommer nochmal wiederzukommen. Gusti ruhte sich ebenfalls auf der vom Schnee befreiten Bank aus und stärkte sich an einigen kleinen Leckerlis und Brötchenstückchen für den nun folgenden Abstieg. Ich war bereits gespannt darauf, war der Weg doch stellenweise sehr steil und mit Schneeschuhen absteigen ist anstrengend. Es war wie erwartet. Dazu klumpte der Schnee unter den Schuhen und brachte die Schneeschuhe des öfteren zum Gleiten. Man mußte also ziemlich aufpassen.
Landschaftlich war der Abstieg jedoch wunderschön, die Berge vor uns, immer wieder ein paar Waldlücken, wo man den Blick auf die gegenüberliegenden Berghänge erhaschen konnte, welche von der leicht verschleierten Sonne in ein eigenartiges Licht getaucht wurden.
Durch unsere selbstgezogene Spur, auf der wir wieder abstiegen, kamen wir gut voran, und erreichten bereits nach etwas mehr als 1,5 Std. die beleuchtete Rodelbahn an der Würfelehütte. Von hier waren es ungefähr noch eine gemütliche Stunde bis zum Auto. Da wir bereits ausgeblendet hatten, wie steil es am Beginn unserer Tour hinaufging, bogen wir dann von der „Rodelbahn“ wieder in unseren alten Weg ab. Es war die Hölle! Die Füße rutschten  immer wieder im Schuh nach vorn und die Zehennägel drückten schmerzhaft ins Nagelbett. Irgendwann schnallten wir ab und stolperten müde, hungrig, ausgelaugt, aber glücklich die letzten 100 Höhenmeter dann ohne Schneeschuhunterstützung zum Fahrweg hinunter, wo es bereits schon recht dunkel war. (www.bergfex.at/virgen-osttirol/wetterkreuzhuette-zupalseehuette)
Regen in Virgen.JPG Die Wolken reißen auf.JPG Verschlafene Alm.JPG
erste Rast.JPG Aufstieg durch tief verschneiten Wald.JPG Endspurt.JPG
Sturm am Wetterkreuz.JPG Wetterkreuzhütte.JPG Gipfelrast.JPG
Abendstimmung.JPG Es dämmert schon.JPG  

Nach dieser Tour fiel es uns nicht schwer, am nächsten Tag wieder heimwärts zu fahren. Wir blicken auf eine ausgefüllte winterliche Bergwanderwoche zurück und sind uns einig, immer Sommer auf jedem Fall nochmal wiederzukommen, um auch den Gipfeln, Klettersteigen und höher gelegenen Hütten einen Besuch abzustatten.

Für Tipps zu einem Bergurlaub im Virgental stehen wir gern zur Verfügung.
Franzi Rößner, Kaj Kinzel