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Bergwandern hoch über den Zillertaler Gründen vom 12. - 18.07.2009 „Der Berliner Höhenweg“


Sabine und Matthias Anders

Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Alpenverein vielerorts Hütten und Verbindungswege baute, hatte sich die Sektion Berlin das Herz der Zillertaler Alpen als Arbeitsgebiet auserkoren. Mit Unterstützung anderer Sektionen entstand nach und nach eine Wegekette, welche schließlich im großen Rund die inneren Zillertaler Gründe umspannte, also jene Hochtäler, die vom Zentralort Mayrhofen zum Hauptkamm aufschließen. Irgendwann bürgerte sich dafür der Name „Berliner Höhenweg“ ein, der gewiss zu den alpenweit reizvollsten einwöchigen Trekkingtouren zählt. Berauschende hochalpine Kulissen begleiten uns 18 Sachsen auf Schritt und Tritt, wenn wir über hohe Scharten, entlang grasiger Flanken oder durch blockgefüllte Hochkare, über Gipfel und Schneefelder ziehen. Immer wieder ergeben sich neue Einblicke und veränderte Perspektiven, das Motto alpiner Durchquerungen in idealer Weise vermittelnd. Der Höhenweg ist ein anspruchsvoller Weg für erfahrene Wanderer. Wir unternehmen die Tour entgegen dem Uhrzeigersinn. Treffpunkt war der Parkplatz an der BP – Tankstelle in Mayrhofen, von wo wir mit dem Linienbus zum Schlegeis Stausee fuhren. Für uns beide ist es die erste Tour gemeinsam mit DAV – Mitgliedern der Sektion Chemnitz. Wir sind auf die kommenden Tage und Erlebnisse sehr gespannt. Wir starten vom Schlegeis Stausee in Richtung Friesenberghaus, welches in 2498 m Höhe liegt. Diese Strecke soll zum Eingewöhnen und zur Aklimatisierung dienen. Wir werden schon vom Hüttenwirt erwartet. Nach anfänglicher Kälte im Aufenthaltsraum wird es uns dann doch noch warm durch intensives Heizen des Ofens und warmer Getränke.

Der zweite Tag beginnt aufgrund der Kürze der Tour auch noch verhalten. Wir starten gegen 9:00 Uhr erst einmal ohne unsere Rucksäcke zum schönen Petersköpfle. Ein wunderschöner Aussichtpunkt mit einer Vielzahl von Steinmännern und sonstigen selbsterrichteten Denkmalen seiner Begeher. Nach dem Genuss der fantastischen Ausblicke auf die Bergwelt und dem Abstieg verlassen wir das Friesenberghaus in Richtung Olpererhütte (2389 m) in steilen Kehren und Schneefeldern und erreichen diese ca. 15:00 Uhr bei gutem Wetter. Die Olpererhütte bot uns, als eine renovierte Hütte, ein besonderes Panorama auf den Schlegeis Stausee und die Bergwelt. Den Abend verbrachten wir gemeinsam in geselliger Runde . Nach der Beschreibung im Tourenplan sollten uns die nächsten Tage einiges abverlangen, deshalb sollte jeder von uns noch einmal prüfen, ob das Selbstvertrauen groß genug ist die Anforderungen zu meistern. Alle waren sich einig, wir werden gemeinsam diesen Weg meistern. Dafür wurde die Tour durch unsere beiden Wanderleiter Matthias Großer und Jörg Helbig sehr gut vorbereitet. Beide gaben gern Hilfestellung sowie Ihre Erfahrung an die Tourmitglieder in einer sehr angenehmen Art weiter, so konnten oftmals aufkommende Angst und Zweifel beseitigt werden. Dafür nochmals unser besonderer Dank!

Aufgrund der Länge der Tour starten wir am dritten Tag gegen 8:00 Uhr von der Olpererhütte zum Furtschaglhaus (2.295 m). Bei schönem Wetter steigen wir in Richtung Jausenstation Zamsgatterl am Schlegeis Stausee hinab. Am Ende des Speichers entlang des Fahrwegs erreichen wir das Schlegeiskees.Von dort ging es nach einer Rast in vielen Kehren hinauf zum Furtschaglhaus. Nach dem gemeinsamen Abendessen erlebten wir als Highlight des Abends noch ein Musikerlebnis durch drei Ferienkinder (Trompete, Flöte und Gesang). Wir waren begeistert  und füllten im Anschluss den herumgehenden Filzhut. Wir hatten unsere Freude daran.

Leider haben uns im Anschluss an diese Tour am nächsten Tag Angrid und Thomas aus unvorhersehbaren Gründen in Richtung Heimat verlassen. Sehr schade für alle. Wir haben es sehr bedauert und Ihnen alles Gute gewünscht bis zur nächsten gemeinsamen Tour.

Der vierte Tag stand unter dem Motto „Erwartungsvoll, anspruchsvoll, hoffentlich zu meistern“, der Weg zur Berliner Hütte (2.044 m) sozusagen als Königsetappe. Über Grashänge, Schuttflanken und Schneefelder sowie eine drahtseilversicherte Rinne erreichen wir den Gipfelaufbau und den Gipfel des Schönbichler Horns (3.134 m). Aufgrund von starkem Wind können wir den Ausblick nicht lange genießen. Auch aus Platzgründen müssen wir nun abermals durch eine ausgesetzte steile seilversicherte Ostflanke des Berges entlang des Grates und weiterer gesicherter Stellen zum Boden des Graberkars. Dabei schlug das Wetter um und wir hatten Gelegenheit „Maskenball“ zu üben. Bis zum Erreichen der Berliner Hütte sollten wir nochmals Gelegenheit bekommen, das Anziehen unserer Regenausrüstung zu üben. Zu guter letzt tauchte die Berliner Hütte nach dem Überqueren mehrer Brücken und leichtem Anstieg über eine glattgeschliffene Gletschermoräne im alles überziehenden Nebel auf.

Ich glaube alle waren sehr froh das Tagesziel erreicht zu haben, überwältigt vom Anblick einer so großen Hütte mit Ihrer alten Architektur und dem stilvollen Innenleben. Den Abend genießen wir in einem separaten Raum, wie immer, bei interessanten Gesprächen, Spielen und Gesang. Dabei unterstützen uns die Liedertexte von Renate besonders. Der eine oder andere ist vielleicht mit seinen Gedanken auch schon bei der nächsten Tour. Diese führt uns am fünften Tag am schönen Schwarzsee (2.472 m) vorbei bergauf zur Mörchnerscharte (2.872 m) über zahlreiche Schneefelder. Mit Hilfe unserer beiden Wanderleiter und eines jungen einheimischen Bergführers meistern wir den steilen Übergang zum Floitengrund mit einem langen, zuerst mit Seilversicherungen, dann steilen Abstieg im Schnee. Danach erleben wir die Schönheit der alpinen Pflanzenwelt in all ihrer Blüte beim Abstieg durch die Wiesen. Das letzte große Hindernis bis zum Erreichen des Floitenbachs war eine Leiter in Ausführung „Marke Baumarkt“ also doch nicht so spektakulär wie erwartet, zur Erleichterung aller. Nach einer Rast erfolgt der Aufstieg zur Greizer Hütte (2.227 m), die wir noch vor Beginn eines Gewitters erreichen. In dieser Hütte, die auch noch als kleiner Bauernhof fungierte (Pferde Ziegen und Hühner), wurden wir besonders freundlich aufgenommen.

Die letzten beiden Tage sollten uns noch Einiges abverlangen, obwohl diese doch zum Ausklang der Tour gedacht waren. Von der Greizer Hütte starteten wir mit einem Schluck frischer Ziegenmilch hinauf in Richtung Lapenscharte (2.701 m) als höchste Erhebung des heutigen Tages. Von da an hatten wir das Ziel, die Kasseler Hütte (2.178 m), stets vor Augen. Doch der Weg dahin war noch weit durch den gesamten Talkessel sowie über 20 Schneefelder und Wasserfälle. Ein aufkommendes Gewitter sollte unseren weiteren Weg vorerst stoppen, um die Regenbekleidung überzuziehen und sich einen Platz im Gras zu suchen sowie seine Angst zu überwinden. Nach Abklingen des Gewitters und sonnigen Abschnitten erreichen wir unser Ziel ca. gegen 17:00 Uhr. Uns empfängt der neue Hüttenwirt in seiner eigenen Art und Weise – eine Mischung aus Feldwebel und gutem Geschäftsmann. Während der Auswahl der Abendessen, die wortreich vom Hüttenwirt angepriesen wurden was einige Zeit in Anspruch nahm, „unterhopften“ wir zusehends und waren dem Verdursten nahe.Als es dann auch noch mehrfach Feueralarm aus dem Rauchmelder wegen des qualmenden Ofens gab, erhalten wir als Entschädigung eine Kostprobe eines hauseigenen Wurzelschnapses.

Der Wetterbericht verspricht nichts Gutes für die nächsten tage (Wettersturz in den Alpen), begleitet durch Gewitter, starken Regen und Temperaturrückgang). Um Mitternacht wird der Autor Matthias Anders durch Gesang geweckt, denn am letzten Tag beginnt sein Geburtstag.

Der Morgen beschert uns eine Winterlandschaft, trotzdem müssen wir vom Berg herunter.Für Ihn ein besonderes Erlebnis, denn wann hat man am 18.7. schon einmal im“Winter „Geburtstag. Nach dem winterlichen Abstieg warten in der Nähe der Grüne-Wand-Hütte die beiden Wandertaxen auf uns, um uns zurück zum Parkplatz nach Mayrhofen zu bringen. Es war der Abschluß einer wunderschönen Tour im Naturpark Zillertaler Alpen.