Aktuelle Tourenberichte

Eine Reise ins Herz des Iran
Christine und Jürgen Nagel
 
- so lautet der Titel eines Buches, das uns neugierig machte auf dieses Land, auch wenn in den Medien nur negativ darüber berichtet wird. Ganz anders waren aber die privaten Erlebnisse und Berichte unserer Nachbarn, die den Iran schon mehrmals bereisten. So entschlossen wir uns zu einer Reise in dieses sich abschottende Land, obwohl uns von Freunden dringend davon abgeraten wurde, denn im Frühjahr 2012 verschärfte sich die Situation zwischen Israel und Iran im Atomstreit. Wir besorgten uns das Visum und flogen Mitte April in das Land, das vor 2500 Jahren eine religiöse, aber tolerante Weltmacht war, dessen Kenntnisse in Wissenschaft und Kunst großen Einfluss auf Europa nahmen, durch das bedeutende Reisende wie Marco Polo, Sven Hedin oder Herbert Tichy gezogen sind.
Heute ist die islamische Republik Iran ein von den religiösen Führern, den Mullahs, streng reglementierter „Gottesstaat“ mit großen sozialen Gegensätzen. Die großartigen Landschaften reichen von schneebedeckten Bergen und Regionen mit üppiger Vegetation bis zu heißen Wüsten und schönen Küsten. Wir reisten mit leichtem Rucksack und nutzten das gut funktionierende öffentliche Verkehrsnetz. Dort, wo das nicht möglich war, mieteten wir ein Auto mit Fahrer oder buchten bei einer Agentur Tagesfahrten mit dem Minibus. An vielen Orten im Land fühlten wir uns noch ein wenig als Entdecker, da wir oft die ersten westlichen Touristen seit langer Zeit waren. Bald merkten wir, dass zwei 70-jährige Rucksackreisende aus Europa überall Erstaunen und auch Sympathie erregten. Wir wurden von den Iranern stets freundlich aufgenommen, besonders dann, wenn sie hörten, dass wir aus Deutschland kommen. Deutsche Ingenieure und Wissenschaftler haben beim industriellen Aufbau des Landes durch Zuverlässigkeit und Kompetenz beeindruckt und nicht durch Herrschaftsdenken und koloniale Bestrebungen. Respekt und Achtung Deutschland gegenüber spürt man heute noch.
Da immer weniger Gäste in den Iran reisen, steht man als Ausländer sofort im Mittelpunkt. Fremde Leute wollen gerne helfen, was allerdings bei einer Sprache wie Persisch (Farsi) und einer Schrift, die der arabischen ähnelt, für uns oft ein großes Problem war – wir hofften immer, dass einer der hilfsbereiten Iraner Englisch spricht und schreibt, denn ohne Englischkenntnisse wären Kontakte und Gespräche nicht möglich gewesen. Man hat uns häufig fotografiert, wir bekamen Einladungen, fuhren mit Privatautos mit, tauschten Adressen und Telefonnummern aus. Das Busnetz ist im Land sehr gut ausgebaut, so konnten wir große Entfernungen problemlos bewältigen. Das Finden geeigneter Unterkünfte war leicht. Wir haben meist in „Traditionellen Hotels“ gewohnt. Das sind häufig ehemalige Häuser reicher Kaufleute oder Karawansereien, die aufwändig saniert und restauriert wurden und in alter Schönheit und Pracht erstrahlen. Alle haben wunderschöne, kühle Innenhöfe mit Blumen, Bäumen und Wasserbecken, mitten in der Stadt kommt man sich vor, wie in „1000 und einer Nacht“! Die freundlichen Besitzer der kleinen Hotels waren uns bei der Organisation und Buchung von Ausflügen in die Umgebung behilflich und schrieben uns Wegezettel in Farsi für die Busse oder Taxifahrer. Sie halfen auch bei der Reservierung des nächsten Quartiers.
 

 
Wir flogen von Berlin über Istanbul nach Shiraz und begannen unsere Reise im wüstenhaften, heißen Süden des Iran. Shiraz ist die Stadt der Gärten, der Rosen und der berühmten Dichter Hafis und Saadi. Sie ist Partnerstadt von Weimar, da Goethe das Werk von Hafis zutiefst bewundert hat. Erster Anlaufpunkt war für uns die Agentur Pars Tourist, eine Mitarbeiterin dort spricht perfekt Deutsch. Mit ihr hatten wir schon zu Hause Kontakt aufgenommen. Sie hatte uns über Pars Tourist die Referenznummer besorgt, die Voraussetzung für die Erteilung eines Visums ist. Von Shiraz führte uns ein Ausflug nach Persepolis, um 500 v. Chr. die prachtvolle Hauptstadt der Perserkönige Darius und Xerxes, später von Alexander dem Großen zerstört.
 
Unser nächstes Ziel war Kerman, die Stadt liegt 1700 m hoch im Südosten der iranischen Hochlandes am Rande der Wüste Lut. Der Wind hat hier in der Wüste aus dem Sedimentgestein fantastische Formen heraus geschliffen. Dieses Gebiet bildet die Grenze zu Afghanistan und ist einer der größten Umschlagplätze für Opium und Heroin.
Wir fuhren weiter nach Yazd, der interessantesten Wüstengroßstadt des Iran: sie liegt 1200 m hoch und war Kreuzungspunkt wichtiger Karawanenwege. Yazd hat noch ein einheitliches Stadtbild mit vielen großen Lehmbauten, mit Windtürmen, Kuppeln und Minaretten, die in den blauen Himmel ragen. Die Stadt ist umgeben von Salz- und Sandwüsten. Bei einem Ausflug konnten wir Oasendörfer besuchen, in einer Oase der Wüste Kavir übernachten und dort den Sonnenaufgang erleben!
Die nächste Station der Reise war Isfahan, eine große, lebendige Stadt am Fluss Zayanderud – sie ist berühmt für ihre langen Bogenbrücken aus Stein. Schon im 17. Jahrhundert war Isfahan die wichtigste Handelsstadt Persiens und der größte Markt für Teppiche. Der zweitgrößte Platz der Welt (nach Peking) befindet sich hier, 510 m x 160 m und eingerahmt von beeindruckenden Bauwerken und Basaren mit riesigen Kuppeln.
Nach so vielen Städten und heißen Wüsten freuten wir uns auf kühle Tage im Zagros-Gebirge mit seinen 4500 m hohen Schneegipfeln. Zuerst wohnten wir im Dorf Khansar am über 3000 m hohen Berg Golestan Kuh mit seinen bekannten Wildtulpen- und Kaiserkronenfeldern. Es war ein unglaubliches Erlebnis, bei blauem Himmel und vor schneebedeckten Bergen über diese riesige Fläche voller roter Wildtulpen und orangefarbener Kaiserkronen zu wandern…
Danach wohnten wir einige Tage im 2400 m hoch gelegenen Kuhrang-Hotel. Die beiden 71-jährigen Besitzer kümmerten sich liebevoll um uns. Sie sprachen sehr gut Deutsch, denn sie waren mit 17 Jahren zum Studium nach Wien geschickt worden und hatten auch in Deutschland studiert und gearbeitet. Sie vermittelten uns zwei Ausflüge mit einem Bakhtiari-Nomaden. Er fuhr uns mit seinem alten Jeep über abenteuerliche Bergstraßen in ein Dorf aus Lehmhäusern nach alter, traditioneller Bauweise, das im Winter von der Außenwelt abgeschnitten ist. Unterwegs hatten wir mehrmals das Glück, auf Nomaden zu treffen, die auch heute noch mit ihren Ziegen und Schafen den langen Weg von den Winterweiden in den Tälern auf die Hochweiden im Zagros-Gebirge gehen. Dieser Auftrieb der Herden dauert drei Wochen und ist für Mensch und Tier eine große Herausforderung und Anstrengung.
Nach dem Aufenthalt in dieser wunderbaren Gebirgslandschaft reisten wir nach Kashan. Diese alte Stadt ist berühmt für ihre sehr schöne Architektur. Durch den Teppichhandel reich gewordene Kaufmannsfamilien bauten sich prächtige Bürgerhäuser, die Lehmziegel-Kuppelbauten des Basar sind einmalig in Größe und Ausschmückung. Moscheen und Badehäuser wurden mit besonders farbenprächtigen Mosaiken aus glasierten Fliesen, den Kashi, verziert. Kashan ist auch berühmt für sein Rosenöl, das in großen Mengen für Parfum nach Frankreich exportiert wird. Ein Ausflug führte uns in das malerische Dorf Abyaneh, auf dem Weg dahin kamen wir an der umstrittenen Urananreicherungsanlage vorbei.
Wir waren schon drei Wochen unterwegs, als wir Qasvin, einen wichtigen Knotenpunkt alter Handelswege nahe bei Teheran, erreichten. Die Stadt liegt am Fuß des Elbruz-Gebirges. Bei einem Ausflug in das Alamut-Tal mit seinen großen Burgruinen und den leuchtenden Gletschern lernten wir in unserem Führer Mehdi ein echtes Original der iranischen Bergführer kennen! Er führt Gruppen über den Elbruz-Hauptkamm in Mehrtageswanderungen zum Kaspischen Meer, organisiert Gipfelbesteigungen, ist gut ausgebildet und ein fröhlicher Begleiter, der Gitarre spielt und singt.
Die letzten Tage mussten wir in der Hauptstadt Teheran verbringen, da wir von dort zurück nach Berlin fliegen wollten. Teheran hat jetzt über 15 Millionen Einwohner, eine ständige Dunstglocke und die schlechteste Luft des Landes, es ist furchtbar laut und die Stadt erstickt im Verkehr. Aber einzigartig ist ihre Lage an den Südhängen des Gebirges, immer höher hinauf werden große, teure Wohnkomplexe gebaut. Wir besuchten hier das sehr interessante Teppichmuseum und das wie ein Hochsicherheitstrakt kontrollierte Juwelenmuseum sowie den Golestan-Palast des letzten Shah Reza Pahlevi, der 1979 abdanken musste. Zum Glück gibt es eine Metro, ohne diese ginge in dieser Stadt überhaupt nichts!
Nach vier Wochen Aufenthalt im Iran können wir sagen: die politische Außendarstellung des Landes ist die eine Seite, die andere sind die überaus freundlichen, hilfsbereiten und liebenswert neugierigen Menschen, die uns überall zur Seite standen. Wir konnten sicher und ohne Angst reisen und haben von Kriminalität nichts gespürt. Wir habe beeindruckende Landschaften und prächtige alte Städte kennengelernt, die vom früheren Reichtum und Ruhm des Landes noch Zeugnis ablegen. Wir haben in vielen Gesprächen mit jungen Leuten, aber auch mit Menschen unserer Generation stets gehört: „Es muss sich etwas ändern in unserm Land, die religiöse Diktatur muss abgewählt werden!“ Durch Internet und Satellitenfernsehen lassen sich Informationen aus aller Welt nicht mehr unterdrücken. Wir hoffen, dass Veränderungen auf einem friedlichen Weg gelingen werden!
Unser Fazit: Vier Wochen Kopftuch tragen war sehr anstrengend, vier Wochen ganz ohne Alkohol war machbar, drei Liter Schwarzer Tee pro Tag hält munter und lässt lange Touristentage besser überstehen, das Essen mit wenig Fleisch und viel Gemüse war gesund und sehr schmackhaft – unser Körpergewicht war bei der Heimreise drei Kilo weniger, dafür hatte das Rucksackgewicht durch schöne Einkäufe und Geschenke deutlich zugenommen!
 
Ein Reisebericht von Jürgen und Christine Nagel, die sich über interessierte Nachahmer freuen würden.

 

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Kaiserkronen

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Wüste Lut

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Wüste Lut

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Yazd Windtürme

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Zargros Gebirge

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Zargors Gebirge Dorf

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Alborz Gebirge

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Kavir Wüste

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Aqa Bozorg

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Mahan

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Bestattungsplatz

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Shiraz

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Yazd Moschee