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Sektionstour Großvenediger vom 19.-21.06.09 – ein einfacher „Latschberg“?

von Heike Franke

Am 19.06.09 starteten 5 Teilnehmer unter der Leitung von Ronald Gasch ihre Gletschertour zum oft als einfachen „Latschberg“ bezeichneten Großvenediger. Doch schon wer im Vorfeld einen Blick auf die Höhenmeter riskierte, wusste, dass allein der Gipfeltag mit ca. 1500 Höhenmetern im Anstieg recht sportlich werden konnte.

Ronald, Janine, Olaf, Anke, Steffen und der Gletscherneuling Heike stellten sich der Herausforderung trotz eher bescheidener Wettervorhersage.

Der Aufstieg von Hinterbichl zur Johannishütte auf 2116 m Höhe gestaltete sich schon meteorologisch betrachtet abwechslungsreich.

Zunächst schien die Sonne, doch schon bald sollte der Wetterbericht Recht behalten und uns begleitete ein heftiges Gewitter. Klitschnass kamen wir nach zwei Stunden auf besagter Hütte an, die Aussichten für den nächsten Tag verhießen ein klein wenig Besserung.

Um 7.45 Uhr starteten wir zum Defreggerhaus auf 2963 m Höhe. Sämtliche Utensilien wurden mitgeschleppt, weil wir laut Plan im Winterraum übernachten wollten.

Zwar blieb uns weiteres Nass von oben erspart, dafür zeigte sich schon auf der Hälfte des Weges bis zu dieser Zwischenstation die Schwierigkeit, die aus der einfachen Gipfeltour mit angegebenen 5 Stunden doch eine anstrengende, langwierige Erzwingung machen sollte: Neuschnee, und zwar nicht zu wenig. Abseits des Weges, dessen Markierung einfach nicht mehr auszumachen war, kamen wir nach drei Stunden an der noch nicht bewirtschafteten Hütte an und erlitten beim Anblick des ungepflegten Winterraumes, der einem Saustall glich und zudem verkohlt roch, einen kleinen Schock. Uns war klar, dass wir in diesem Raum zwar für einige Stunden alles unnötige Gepäck belassen, aber hier keinesfalls übernachten würden.

Noch war aufgrund des knietiefen Schnees nicht abzusehen, ob eine Begehung des Gletschers überhaupt machbar war. Also hieß es, erstmal zum Gletscherrand vordringen und nachschauen. Die Sicht war nicht sonderlich gut und auch der Wind wurde mit zunehmender Höhe heftiger. Dennoch schien uns der Gletscher begehbar, also wurden schnell zwei Seilschaften gebildet und los ging es. Orientierung boten die Felsmassive, die sich mal links mal rechts vor uns zeigten, je nachdem, was die Wolken gerade mal frei geben wollten. Ständige Blicke auf die Uhr zeigten uns, dass wir erheblich langsamer unterwegs waren, als dies ausgewiesen war. Gegen 14.00 Uhr entschlossen sich zwei unserer Teilnehmer zur Umkehr, da längst deutlich wurde, dass wir keinen Ausblick haben werden. Logisch, wir hatten den Großvenediger noch nicht mal bei 3400 Höhenmetern gesehen. Zu viert, sorry zu fünft, denn Steffen hatte seinen Hund, einen Shiba Inu, dabei und der sollte den Gipfel ebenfalls erreichen, kämpften wir uns weiter vor. Vorbei am Hohen Aderl (3506 m) waren wir auf der Suche nach dem Berg. Irgendwie links halten und auf jeden Fall hoch gehen, hieß die Devise.

Plötzlich, es war so gegen 14.30 Uhr sahen wir vor uns eine Wand auftauchen, das musste er sein. Wir wussten, dass wir spät dran waren, wollten aber dennoch die letzten 200 Höhenmeter in Angriff nehmen. Die Spurenden wechselten sich ab und trotzdem kamen wir nur Stepp by Stepp voran. Vor allem kurz unter dem Gipfel hieß es 5 Schritte gehen, kurze Pause, Frage nach den Höhenmetern und weiter. Schließlich hatten wir den breiten Grat erreicht, der sich allmählich verjüngte, um wie aus dem Nichts im Nebel das Gipfelkreuz freizugeben. Es war halb vier, als wir dieses über ein paar Schritte auf dem mittlerweile äußerst schmal gewordenen Grat erreichten.

Dann ging alles sehr schnell. Ronald mahnte zur Eile: kurz etwas essen, das obligatorische Gipfelfoto und zügig runter vom Berg. Schließlich hatten wir bis hier 8 Stunden gebraucht und uns stand der Abstieg bis zur Johannishütte bevor. Ronald gab ein zügiges Tempo im Abstieg vor. Erst nach dem Defreggerhaus konnte man einen gemächlicheren Schritt an den Tag legen.

Nach 12 anstrengenden Stunden kamen alle wohlbehalten, aber auch ermüdet am Ausgangsort wieder an.

Klischees über diesen einfachen Latschberg mit Hang zur Massenbegehung können also widerlegt werden: Man suche sich nur einen Tag wie den 20.06.09 aus, ohne Sicht, dafür schön viel Schnee und schon trifft man keine weitere Seilschaft am Großvenediger. Und das hat wohl Seltenheitswert.