Aktuelle Tourenberichte

Der Elbrus-Ostgipfel (5.621 m) vom Norden im Juli 2013

Bei einzelnen Mitgliedern unserer Sektion Chemnitz des DAV ist die Agentur Elbrus-Erlebnis-reisen von Alexios Passalidis (EAP) aus Potsdam schon seit langem bestens bekannt. Einige Bergfreunde blicken auf großartige Touren mit Alexis zurück. Zunächst einmal mußten mein Freund und ich dummerweise durch meinen selbstverschuldeten Sportunfall im Frühjahr 2012 die geplante Skitour zum Elbrus drei Tage vor dem Abflug stornieren. Bei der Rückabwicklung wurden wir nach besten Kräften unterstützt. Damit war es für mich auch überhaupt kein Problem, zum Jahresende für 2013 erneut zu buchen. Diesmal hatte ich mich für den Aufstieg vom Norden entschieden und wußte noch gar nicht so genau, auf was ich mich da einlasse. Ein interessantes und informatives Vortreffen im Mai 2013, natürlich, wie sollte es anders sein, zünftig im Thüringer Wald am Rennsteig, brachte mir die richtige Einstimmung für mein Vorhaben. Dazu konnten wir uns endlich persönlich kennenlernen.

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Beim Aufstieg vom Süden mußte ich leider 2009 mit einer anderen ungenannt bleibenden Agentur viele unangenehme Erfahrungen sammeln. Für das schlechte Wetter (115 m Sicht, 115 km/h Windgeschwindigkeit und minus 15 °C oder so ähnlich) im Elbrus-Sattel (5.350 m) kann man natürlich nicht der Agentur die Schuld geben. Aber bei unserer vorzeitigen Rückkehr waren unsere Läger schon wieder belegt, so daß wir beim Packen erhebliche Platzprobleme hatten. So läßt sich wahrlich schneller Geld verdienen! Ich kann nur sagen, diesmal wurden all meine Erwartungen sogar noch übertroffen. Im Juli 2013 war alles ganz anders und viel schöner. Beeindruckende Naturerlebnisse und Bergsteigen pur. Keine beim Bergsteigen störenden Seilbahnen, Allradfahrzeuge und Pistenpullys. Ich durfte wieder selbst steigen! Auch die herzliche Wärme und die Aufgeschlossenheit der russischen Bergfreunde und aller Einheimischen, welche wir bei unserer Tour trafen, mit den wir uns unterhielten, haben bleibende Eindrücke hinterlassen.

Von München, Wien oder Frankfurt/Main kommend, nach einem langen Aufenthalt in Moskau, landeten wir endlich in Mineralnyje Wody. Alexis war schon weit vorm Auschecken zur Stelle und brachte uns in das Intouristhotel von Pjatigorsk. Die preiswerten Zimmer waren für unsere Ansprüche völlig ausreichend, aber vieles erinnerte mich an eine zum Glück vergangene Epoche. Am nächsten Morgen starteten wir zu unserem Ausgangspunkt, den Emanuelwiesen in etwa 2.500 m Höhe. Erst feste Straßen, dann Schotterpisten und zuletzt schwieriges Mountain-bikegelände. Hier zeigte die sowjetische Technik aber, was noch in ihr steckt. Übrigens: Eine durchgängige Gurtpflicht kann es in Rußland bestimmt nicht geben, weil oft nicht vorhanden. Jedenfalls sind wir gut angekommen und die Zelte hatte Steffen aus unserer Gruppe, welcher mit einem anderen Auto mitgefahren war, bereits aufgebaut. Im bewölkten Abendhimmel zeigte sich der Doppelgipfel des Elbrus zum ersten Mal. Allerdings trennten uns vertikal noch rund 3,1 km und zeitlich fast sechs Tage vom großen Gipfelglück. Mit einem Depot in 3.500 m Höhe und einem nebelig-feuchten Abstieg zurück verbrachten wir unseren ersten Eingehtag.

Am nachfolgenden Morgen haben wir zunächst den russischen Bergbauern bei der notdürftigen Reparatur der wackligen Bachbrücke, welche auch von uns genutzt wurde, geholfen. Dies war am Abend zuvor bei unserem Besuch so ausgemacht. Tagsüber, anfangs bei viel Sonne, stiegen wir mit unseren Zelten wieder zum Depot hinauf, bauten diese auf und besuchten am Nachmittag noch, wiederum in dicken Wolken, das Prijut Elbrus Sever (Deutsch: Unterkunft Elbrus Nord) in Glocknerhöhe.

Wiederum mit einem Depot in 3.900 m Höhe begann der erste richtige, der dritte Akklimatisierungstag. Den nachfolgenden Aufstieg bis auf 4.600 m, eventuell sogar bis auf 4.800 m, mußten wir leider in ca. 4.350 m im Schneesturm abbrechen. Dies sollte es für die Höhenanpassung oberhalb der 4.000 m-Linie leider auch schon gewesen sein. Enttäuscht und durchnäßt krochen wir wieder etwas tiefer in unsere Zelte. Der Daunenschlafsack war somit der schönste Platz der Welt. Der Blick zum Himmel und unsichere Wetterprognosen ließen noch mehr Frust aufkommen. Aber Alexis, eigentlich auch „Mister Elbrus“, hatte die rettende Idee. Am nächsten Morgen stiegen wir wiederum in Begleitung von viel Wind und Regen zu einer innen nur halbfertigen Holzhütte in 3.840 m auf. Hier ging der Regen in Schnee über. Er kannte die beiden Bauarbeiter und wir kamen unter. Die nassen Zelte blieben einfach leer stehen und waren drei Tage später bei unserer Rückkehr auch noch vorhanden und bereits getrocknet. Am Nachmittag löste ein Teil unserer Gruppe, bei welcher auch ich dabei war, das mittlerweile nutzlose Depot vom Vortag wieder auf. Später am Abend rissen plötzlich innerhalb von nur wenigen Minuten die Wolken auf und der Doppelgipfel lag zum Greifen nahe vor uns. Wie sollte es anders sein, alle rannten mit ihren Kameras zum irgendwie besten Fotoplatz hinaus. Die aktuelle Wettervorschau ließ auf ein Zeitfenster von zwei oder auch nur maximal zwei schönen Gipfeltagen hoffen. Eine gewisse Restunsicherheit bleibt selbstverständlich in so einem exponierten Gebiet immer. Der nunmehr fünfte Tag erfüllte wettertechnisch endlich all unsere Wünsche. Ich habe wie die anderen auch auf Alexis gehört „Ruht Euch aus, trocknet Eure Schuhe, das ist ganz wichtig, ordnet Eure Sachen!“ und mein ursprüngliches Vorhaben, nochmals über 4.000 m aufzusteigen, nicht realisiert. Bei stahlblauem Himmel und strahlendem Sonnenschein fand ich einen Platz an einem warmen Felsen, habe wie immer zu viel in alle Richtungen fotografiert, einige Dinge im Tagebuch festgehalten und über Dieses und Jenes, nicht immer Schönes, im Tal nachgedacht. Die Ruhe hat gut getan, die ungenaue Wetteraussicht für den folgenden Tag und die noch nicht ausreichende Höhenanpassung habe ich einfach verdrängt.

Um 20.00 Uhr lag ich in meinem Schlafsack, bin gegen 21.00 Uhr wieder aufgewacht und habe bis kurz nach 24.00 Uhr in mich hinein gehört. An Schlaf war einfach nicht mehr zu denken. 0.30 Uhr standen wir in der Hütte rum, 1.00 Uhr gab es ein stärkendes Frühstück und wenige Minuten vor 2.00 Uhr traf sich unsere Gruppe auf dem Gletscher vor der Hütte, bereit zum Aufbruch. Alexis hatte acht, ich neun Stunden (200 Höhenmeter pro Stunde) vorausgesagt. Genau in der Mitte sollten wir uns treffen. 1.800 Höhenmeter lagen bis dahin aber noch vor uns. Ein sternenklarer Nachthimmel, nicht allzu viel Wind und Kälte waren zunächst unsere Begleiter. Mit dem Wind sollte es sich aber bald ändern. Irgendwo in 4.600 m Höhe habe ich im Schutze der Unteren Lenzfelsen die Daunenjacke übergezogen. Die einzige Devise war, nicht lange stehen bleiben. Über Südrussland ging nun endlich die Sonne auf, wärmer wurde es deswegen trotzdem nicht, mental hat es schon geholfen. Eine zweite Rast in ca. 4.900 m Höhe endete mit dem Ergebnis, daß sich unsere Gruppe nunmehr endgültig teilte. Anton aus Orenburg begleitete den ersten unserer Gruppe, Jochen aus Frankfurt, zurück. Alexis stieg mit Steffen aus Fürstenfeldbruck langsamer nach. Bei David aus Eferding in der Nähe von Linz, Ralph und Remo vom Säntis und mir paßte das gemeinsame Tempo, was zuletzt noch ca. 150 Höhenmeter pro Stunde betrug.


Wir waren immer auf der Suche nach der günstigsten Hangneigung und den besten Schneeverhältnissen. Der windverpresste Schnee lies sich relativ gut treten, nur durfte man nicht über die unendlich vielen Windgangeln stolpern. Auch die bergerfahren Russen mit uns waren nicht schneller, teilweise sogar ein ganz klein wenig langsamer. Das motivierte uns zusätzlich und aktivierte die allerletzten Kräfte. Übrigens schätzte ich ein, daß an diesem Tag auf unserer Route nicht mehr als 50 bis 80 Bergsteiger unterwegs waren, und dies nach doch einigen Schlechtwettertagen. Ab 5.300 m, ungefähr in Höhe des Elbrussattels, den wir nur von weitem sehen konnten, hatten wir immer noch gut zwei Stunden vor uns. Aber die Hoffnung und die Vorfreude auf den großen Moment verliehen uns wohl immer wieder neue Kräfte. Trotzdem, geschätzte zehn Höhenmeter und eine Minute Pause auf die Stöcke gestützt, mehr war einfach nicht mehr drin. Nach reichlich acht Stunden erreichten wir endlich den Kraterrand. Mein Höhenmesser zeigte genau 5.592 m an. Der Rest des Weges durch den Krater bis zur Pyramide am höchsten Punkt war endlich keine Anstrengung mehr. Überschwängliche Freude, Fotos ohne Ende und traumhafte Rundblicke, wir hatten es geschafft und wurden für alles fürstlich entschädigt. Noch dachte keiner an den Abstieg, aber nach genau 19 Minuten laut meiner Fotodatei am Gipfel brachen wir auf. Alexis hatte uns für den Abstieg die halbe Aufstiegszeit vorgegeben; wir waren etwas schneller, obwohl wir nun alle Zeit der Welt hatten. Deshalb kam es nun auch zu individuellen Pausen. Irgendwo unterhalb von 5.000 m habe ich dann ein wenig gegessen und viel getrunken sowie mich etwas sortiert. Gemeinsam wieder am Unteren Lenzfelsen haben wir unseren 0,01 l - Gipfelschnaps aus der Schweiz getrunken und auf Alexis gewartet. Der hatte noch allein den Gipfel zum zig-malsten erreicht, nachdem auch Steffen umkehren mußte. Die nachmittägliche Wolkenfront zog langsam heran, es wurde wärmer und der Schnee weich. So sind wir fünf im Sulz zu unserer Hütte zurück gestapft. Dort bin ich am frühen Abend im Sitzen eingeschlafen und habe mich nach einem kleinen Essen auch gleich wieder hingelegt. Das große Gipfelglück konnte ich erst später richtig realisieren.


An eine ganz kurze Episode im Aufstieg vorm Kraterrand erinnere ich mich gern zurück. Ein Russe kam mir im Abstieg entgegen und fragte mich nach meiner Herkunft. Deutschland, habe ich ihm geantwortet. Da berichtete er mir voller Stolz, daß seine Tochter in München studiert. Leider habe ich vergessen, in welcher Sprachenkombination, Russisch, Deutsch oder Englisch, unser flüchtiger Wortwechsel stattfand.

Der Sturm hatte über Nacht wieder zugenommen. Die Schneefahnen an den Gipfelflanken am nächsten Morgen waren beeindruckend. Nach einem Gruppenfoto mit den beiden Bauarbeitern Umar, mit dem ich mich angefreundet hatte, und Michael sowie einer sehr herzlichen Verabschiedung folgte der zügige Abstieg zu unserem Zeltplatz, nicht ohne unterwegs auch am Prijut Sever Bye Bye und Danke zu sagen.

Gemütlicher Zeltabbau, das Genießen der Aussicht, angeregte Unterhaltungen, sehr viele Fotos, der Bergurlaub ging nun langsam in die relaxtere Phase über. Der weitere Abstieg führte uns noch zu den Pilzfelsen, eine durch Verwitterung entstandene überaus sehenswerte Felsformation. Ohne „Bergstreß“ erreichte unsere Acht-Mann-Gruppe das russische Basislager auf den Emanuelwiesen, von dessen Nähe aus auch wir aufgebrochen waren. Meine Bergkameraden haben sich sofort an einer einfachen, aber angeblich wirkungsvollen russischen Sauna erfreut. Ich habe mir aus zwei Flaschen russischem Lizenz-Bier eine Maß zusammen gebastelt und mein erstes Gipfelbier in der Sonne einfach nur genossen. Nach einem guten Mittagessen am Gebirgsbach kamen wir gemütlichen Schrittes langsam wieder in der Zivilisation an. In der Zeltstadt Djily-Su, geprägt durch viele Heilquellen, trafen wir auf die dortigen freundlichen russischen Kurgäste, sicher nicht aus der Oberschicht stammend.


Der Nachmittag verlief zunächst recht entspannt. Unser Taxi zum Hotel in Pjatigorsk, welches wir an diesem Tage nicht mehr erreichen sollten, ließ aber etwas auf sich warten, die Ankunftszeit war noch völlig unbestimmt. Also was sollten wir solange machen, na klar, eine russische Kneipe suchen. Bevor wir aufbrechen konnten, gab es erst einmal ein leckeres einheimisches Abendessen. Alexis hat die Verspätung des Taxis mit einer guten Flasche Russischem Cognac und viel schwarzem Tee entschuldigt. Gipfeltag, ca. 1.500 Höhenmeter im Abstieg am heutigen Morgen mit vollem Gepäck, eigentlich waren wir kaputt. Aber unsere Stimmung war ständig am Steigen. Wir sind irgendwie noch sehr gut drauf gewesen. Irgendwann am späten Abend kam dann unser sowjetischer Allrad-Kleinbus doch noch an und wir sind schon total aufgekratzt eingestiegen. Die abenteuerliche Fahrt durch die südrussische Nacht, auf Schotterpisten und erst viel später auf festen Straßen, haben wir einfach nur noch mit viel Jux und Freude wahrgenommen. Mögliche Gefahren hat keiner mehr gesehen, es war doch auch dunkel. Dem Fahrer habe ich am nächsten Morgen nach einem ausgiebigen und herzhaften russischem Frühstück herzlich gedankt und ihm auf Englisch gesagt, denn selbst dazu hätte mein Schulrussisch nicht mehr gereicht, daß er ein sehr guter Fahrer sei. Den Rest der Nacht hatten wir auf seinem Grundstück im Gartenhaus verbracht. Alexis hatte ausdrücklich betont, daß die Betten frisch bezogen wären, was aber weit nach Mitternacht niemanden mehr interessierte. Hauptsache endlich schlafen.

Am späten Vormittag wurden wir ganz entspannt endlich zu unserem Intouristhotel in Pjatigorsk zurück gebracht. Dort lief zunächst das klassische Programm ab: Gepäck sortieren, viele Sachen auf dem Balkon trocknen oder auslüften und anschließend ausgiebig duschen. Ich habe noch einen kleinen Stadtbummel unternommen, wollte mir vielleicht ein Poster, einen schönen Kalender oder eine andere bleibende Erinnerung an den Kaukasus kaufen, leider ohne Erfolg. Am Abend, auch wie sonst bei Bergreisen üblich, stand ein gemeinsames Abendessen auf dem Plan. Alexis fand ein nicht zu volles Restaurant, wo wir natürlich auch im Freien sitzen konnten. An das Musikprogramm ist mir eine nette kleine Anekdote in bester Erinnerung geblieben. Der russische Alleinunterhalter spielte nach vielen uns völlig unbekannten Stücken plötzlich einen ruhigeren Titel von Eric Clapton. Ich habe ihn sofort um eine kleine Zugabe gebeten und er brachte gleich noch zwei. Anton hat mir allerdings gestanden, daß er mehr auf Rammstein („Strong Music“) steht. Die Geschmäcker sind halt unterschiedlich und dann doch irgendwie auch wieder gleich. Nach dem ausgiebigen Essen haben wir einen schönen nächtlichen Spaziergang gemacht und uns das hell beleuchtete Pjatigorsk von oben angeschaut. Der wiederum lange Tag endete mit viel Bier und Spaß in einem Dönerladen kurz vor unserem Hotel.


Der erste Erholungstag führte uns in das Kurviertel von Pjatigorsk, etwas oberhalb der eigentlichen Stadt gelegen: Besichtigungen, Verweilen im Teegarten, Bummeln und Fotografieren, eine kleine Erinnerung kaufen. Alexis hat uns mit viel Liebe seine Geburtsstadt vorgestellt und einiges Wissenswertes über die Geschichte der Region vermittelt. Nach einem späten Mittagessen in einem gepflegten Gartenrestaurant für reiche Russen mit jungen Frauen und Fahrer habe ich mich allein von der Gruppe abgesetzt und gegen 19.00 Uhr noch den Hausberg der Stadt, den Maschuk (993 m) erreicht. Die Entfernung zum Elbrus beträgt 88 km, aber die abendliche Sicht war nicht besonders. Völlig entspannt und meinen Gedanken nachhängend bin ich den Weg über die Bergstraße, für Mountainbiker bestens geeignet, und danach wiederum über die Kurpromenade zurück zum Hotel gelaufen.

Der zweite Reservetag, am Gipfel zum Glück nicht benötigt, wurde nun in eine Ausfahrt nach Schelesnowodsk und die Wanderung auf den genau 1.400 m hohen Beschtau überaus sinnvoll umgewandelt. Auch „erfahrene“ Bergsteiger können einmal barfuß in Trekking-Sandalen über Steine und Geröll im abschüssigen Hang gehen. Da Alexis uns den Weg und die Höhendifferenz von über 850 m vorher nicht genau beschrieben hatte, bin ich wie ein „Friseur“ losgezogen. Nachdem ich mit Anton noch auf dem Vorberg war, hatte ich zunächst im Abstieg meine liebe Not bis wir endlich wieder den ausgebauten Fahrweg erreichten.


Im Kurpark angekommen, habe ich Anton eine große Cola spendiert und selbst gemerkt, es muß nicht immer Bier sein, insbesondere nicht nach mehr als drei Stunden Bergwanderung bei knapp 30 °C. Der lange Spaziergang durch den großen Kurpark mit vielen Besichtigungen und kleineren Einkäufen hat uns allen unendlich gut getan und viel Freude bereitet. Am Abend stellte Alexis zunächst in der Hotelkneipe unterm Dach seine Tour zum Pik Lenin (7.134 m) vor und verständlicherweise war auch etwas Eigenwerbung dafür dabei, mit Erfolg bei David. Das späte Nachtmahl, also unser gemeinsames Abschiedsessen, haben wir danach im noblen Hotelrestaurant „Imperator“ eingenommen und anschließend den erlebnisreichen Tag in Südrussland an der Hotelbar in der Lobby, 24 Stunden geöffnet, ausklingen lassen.

Wenn alles gelungen und der Bergurlaub mit unendlich vielen schönen Erinnerungen angefüllt ist, dann kann wohl auch die unausweichliche Zeit der Heimreise kommen. Alexis und Anton brachten uns gemeinsam zum Flieger, der Abschied war herzlich, aber nicht für immer. Wir haben uns mittlerweile in Kolm Saigurn (Salzburger Land) mit Alexis schon wieder getroffen und bestimmt noch einmal will ich auch wieder mit ihm in den Kaukasus fliegen, dann zum Kasbek (5.047 m). Steffen hatte noch das Anschlußprogramm Moskau gebucht, wäre aber dann doch lieber mit uns zurück nach München geflogen. Er hat mir später die Fotos zukommen lassen und war am Ende mit den drei Tagen in der russischen Hauptstadt nicht richtig glücklich.

Im Ergebnis haben wir nicht viel falsch oder fast alles richtig gemacht. Die Akklimatisierung hat gereicht und das Wetterglück war uns nach einigen feuchten Tagen endlich gewogen. Den Rest zum Gelingen haben wir selbst beigetragen. Was für immer bleibt, sind beeindruckende Gipfelerlebnisse und großartige Erinnerungen an eine traumhafte unberührte Bergkulisse. Mit tiefen Glücksgefühlen bin ich nur sehr ungern wieder an meinen Arbeitsplatz in der „Marktwirtschaft“ zurückgekehrt. Übrigens, einen Kalender vom Kaukasus habe ich im Chemnitzer Fachhandel selbst herstellen lassen und hatte so gleich bis zum Jahresende oft ein passendes Geschenk.

Alexis hat mir bei der Erfüllung eines großen Traumes, welcher schon seit Ostzeiten in mir schlummerte, sehr geholfen. Mein Brockhaus-Bildband über den Kaukasus war 1982 erschienen.

 

Uwe Trenkmann (07. März 2014)