Aktuelle Tourenberichte

Ein Bericht aus den Alpen

Alisa Markert

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Tja, wie fängt man an einen, für mich, Abendteuertrip zu erzählen. Ich versuche es einfach mal.

Uwe (30, mein Kletterpartner), Jean (29, meine Schwester) und ich (Alisa, 25) sind alle Mitglieder beim DAV. Nun haben wir uns Anfang dieses Jahres die laufenden Kurse für 2014 angeschaut. Einige haben wir wahrgenommen und so auch den Kurs Alpines Klettern entdeckt. Genauer, in die südlichen Zillertaler Alpen. Wir überlegten so hin und her. Und entschieden uns, klar das machen wir.

Der Kurs ging vom 21.06.-25.06.14. Da wir aber alle drei schon ganz wild auf die Alpen waren und das Wetter super werde sollte sind wir schon am Freitag den 20.06. losgedüst. Welche ein Glück das der Hüttenwirt Roland schon soweit alles klar gemacht hat für den Saisonstart und uns herzlich am Abend aufnahm. Start (17:30 Uhr) war am Neves-Stausee (1880m) in Südtirol (Italien) zum Nevesjoch oberhalb des Stausees. Wir hatten es ziemlich satt, denn der Aufstieg fühlte sich an wie eine Kletterroute im 7. Grad. Alle schnieften und sagten ständig: „Nicht mehr weit, dann sind wir im trockenen.“ Denn der Regen begleitete uns auf 2420m.

Jean und ich hatten unendlich viel und wahrscheinlich auch das ein oder andere Nutzlose dabei. Wir schleppten uns jedenfalls mühevoll ab.

Aber alles wurde entlohnt. Die tolle Hütte, unser schönes Zimmer, der gemütliche und warme Aufenthaltsraum und natürlich die 3 lieben und herzlichen Hüttenbetreiber. Im Laufe der Woche lernten wir die gesamte Familie Gruber kennen.

Wir stärkten uns mit Radler und einem fantastisch gekochten Abendessen. Wir wussten, dass am nächsten Tag die Sonne scheinen sollte und planten unsere Tour.

Der Samstag weckte uns mit blauem Himmel, Sonnenschein und dem Quieken der Murmeltiere.

Es war herrlich. Natürlich wollten wir unseren Familien eine Nachricht senden, dass es uns gut geht. Nur, nirgends hatte man Empfang. Doch Anna (die Frau von Roland) verriet uns eine Stelle von wo aus man eine SMS abschicken konnte. Von diesem Tag an sah man uns immer mal früh oder am Abend mit dem Handy am „Empfangsstein“ stehen.

Auf ging es. 9:00 Uhr am Samstagfrüh Richtung Gamslahnernock (2869m). Aufstieg von der Chemnitzer Hütte über die Südwestschulter zum Gipfel. Dort der erste Gipfelbucheintrag in den südlichen Zillertaler Alpen. Was für ein gigantisches Gefühl und ein wunderschöner Ausblick. Wir hatten tolles Wetter, wenig Wolken und viel Sonnenschein. Der Aufstieg kostete uns nur wenig Mühe. Mit dem Finden des Weges hatten wir uns eher schwer getan. Vor allem ich, denn ich war noch nie in den Alpen gewesen, habe noch nie eine solche Wandertour gemacht. Die anderen beiden waren schon etwas erfahrener. Zum Glück sah man den Gipfel und somit einfach immer drauf zu. Von dort sah man einige andere Gipfel und wir drei waren uns einig, dieser Gipfel rechts neben uns sollte uns nix angehen.

Doch da irrten wir.

Nach einem ausgiebigen Blick rund um den Gamslahnernock setzten wir unsere an diesem Tag noch recht leichten Rucksäcke wieder auf und gingen bergab über Südwestschulter und Westgrat auf den Neveshöhenweg zum „Am Mösele“ und über „Ursprung“ zum Nevesboden. Was natürlich im Juni nicht ausblieb waren die Schneefelder, die ich besonders mochte. Im Verlaufe der Tour war ich 2-mal bis zur Hüfte in einem verschwunden. Kalt und nass war es. Zum Glück war es warm. Wir schossen viele Fotos, schauten Murmeltieren zu und kamen auch an glücklichen Kühen vorbei bis zum Neves-Stausee. Dort aßen wir erstmal einen Kaiserschmarrn und Eis in der Jausenstation. Nun die letzte Etappe. Die kannten wir schon, der gleiche Weg wie am Abend zuvor. Und jetzt ging es wie im Flug, denn mit unseren leichten Rucksäcken waren wir viel schneller.

Wir waren schon an der Chemnitzer Hütte angekommen und schauten noch einmal zurück. Wen sahen wir denn da? Noch gut 1 Std. entfernt kamen Jürgen, Steffen und Frank. Wir wollten uns am Samstag 19:00 Uhr auf der Hütte treffen. Beim Abendbrot veranstalteten wir eine Kennenlernrunde und besprachen das erste Ziel des Kurses.

Am nächsten Morgen ging es auf den Schaflahnernock, quasi hinter unserer Hütte gelegen. Aufstieg von der Chemnitzer Hütte über die Nordseite auf einen Sattel (2480m). Dort erstmal eine Aufgabe von Steffen. Diese zerbrach uns 1 Stunde das Hirn. Und am Ende war es mal wieder einfacher. Aber nur so lernten wir. Wir teilten uns auf. Jürgen und Uwe mit Frank und die Mädels, Jean und ich mit Steffen. Wir lernten hier in diesen wertvollen Stunden, Reihenschaltung, Knoten genau definieren und aus dem ff können. Abseilen und Kommandos mit dem Kletterpartner durchsprechen. Dann ging es los. Die Mädels voran, Jean machte den ersten Vorstieg. Und baute nach guten 20m einen Standplatz und holte mich nach. Und so ging es dann immer im Wechsel. Ich machte den nächsten Vorstieg, baute einen Stand und holte sie nach. Die Jungs genau wie wir hinter uns her. Nach guten 4 Seillängen und wir total euphorisch und immer weiter hinaus wollend, sagte Steffen „Schluss für heute.“ Wir waren geschockt, denn es war ja noch hell. Genau 17:00 Uhr. Doch Steffen mit seiner unermesslichen Erfahrung beteuerte uns, dass es einfach zu lange dauern würde, heute den Gipfel noch zu schaffen. Denn an den Abstieg hatten wir nicht gedacht. Der erweist sich wie so oft als tolle Rutschbahn. Anfangs ein Geröllfeld mit äußerst lockeren Platten und noch ein paar hundert Meter Schneefeld.

Wieder gemeinsames Abendbrot und Besprechung für den nächsten Tag.

Was ich noch vergaß, unsere Rucksäcke waren nun voll mit Kletterutensilien. Mal auf deutsch gesagt, sau- schwer. Und der Muskelkater vom Vortag tat seinen Rest.

Und so gingen die nächsten Tage weiter, mit schweren Rucksäcken. Wir fühlten uns wie Packesel. Aber, wir wollen mal nicht meckern.

Der nächste Tag, Montag 23. Juni. Wir hatten bis jetzt den Wettergott auf unserer Seite und nur am Morgen war es etwas frisch. Unser Ziel für heute, die Überschreitung des Gamslahnernocks. Ha, dachten wir drei, den Weg kennen wir ja schon. Aber nun mit einem gefühlten 100 Kilo Rucksack auf dem Buckel. Nun war es die Aufgabe, den richtigen Weg zu finden und die Markierungen zu erkennen. Steffen wählte einen Führer aus. Ich durfte das übernehmen. Einerseits Freude, andererseits Panik. Anfangs tat ich mich etwas schwer, aber nach einiger Zeit entspannte ich mich und leitete meine Gruppe zum Gipfel. Dort wieder ein Gipfelbucheintrag und eine kleine Pause. So, was ist jetzt dran? Steffen und Frank schauten zum rechts liegenden Gipfel. Und wir noch so. Nein, den gehen wir nicht an. Getäuscht, auf geht es zum Pfaffernnock. Über den Gipfelgrat zur weißen Wand und zum Gipfel. Jean, Steffen und ich bildeten wieder ein Team und die Jungs Jürgen, Uwe und Frank auch. Wir liefen am langen Seil und versuchten das Seil als Sicherung immer über eine Steinspitze zu legen. Achteten darauf, dass wir nicht so schnell voran liefen und schauten, wo der optimale Weg lang läuft, um kein unnötiges Risiko einzugehen. Nach bangen und zittrigen Minuten erreichten wir unser Ziel, 2973m hoch. Wahnsinn. Fast 3000m. Es war wieder atemberaubend schön. Als alle am Gipfelkreuz ankamen, waren wir neugierig und fragten, "Wo geht es denn weiter?". Steffen in seiner Art ganz trocken den Grat Richtung Pfaffenscharte müssen wir dann abklettern. - Ein kurzer Moment der Stille -  War es sein Ernst? Steffen löste das Rätsel und wir wählten ein leichteren Weg, aber abenteuerlich sah er dennoch aus. Aber so langsam haben wir uns daran auch gewöhnt. Es ging über das nordwestliche Geröllfeld zu einem weiten Schneefeld und zum großen Trog. Frank und Jürgen gingen voraus. Steffen und ich folgten den beiden. Zum Ende kamen dann ziemlich weit hinten liegend Jean und Uwe. Die erstmal eine kleine Lawine lostraten. Steffen bereitete uns schon auf eine neue Aufgabe vor. Wir machten Rast auf einer schneefreien Fläche. Frank holte seinen Biwaksack heraus und fragte so in die Runde: „Wer möchte Opfer spielen?“ Tja, keiner wollte und somit übernahm das Frank selber. So ein Pech, stellte sich später heraus. Frank war ein Verletzter und wir sollten ihn nun bergen. Steffen leitet das ganze an und wir drei packten mit an. Es war ein Spektakel. Am Ende hatten wir den verletzten Frank im Biwaksack so eingepfercht das wir ihn nun „bequem“ über ein Schneefeld ziehen konnten. Wir hatten hier gelernt wie man einen Verletzten mit Hilfe eines Biwaksackes und unserer Ausrüstung bergen konnte. Es ging nun wieder über Schneefelder zurück zur Hütte. Aber halt, wer gedacht hat, dass das jetzt schon alles war für diesen Tag der irrt. Steffen suchte uns eine tolle Stelle zum runterlaufen eines Schneefeldes heraus. Gefühlte 90 Grad ging es dort hinunter. Runter laufen? Natürlich. Steffen ganz easy und Frank hinterher. Nun standen wir vier da oben und überlegten, nachmachen oder geht es noch anders? Vielleicht abseilen? Plötzlich stand Steffen wieder oben und erklärte uns, dass wir runter laufen sollten. Jürgen fing an. Aber er machte ein paar Schritte und setzte sich dann auf den Pops und rutschte hinunter. Ich wollte das nicht. Packte meinen Mut zusammen und versuchte hinunter zu laufen. Hach, es funktionierte. Doch in diesem Moment saß ich auf dem Pops und rutschte herrlich schnell zum Schneefeldende. Jean machte es mir unfreiwillig nach. Uwe der als letzter nun oben stand kam gut zurecht. Wir tippten auf die guten Schuhe und die Stöcke, die ihm hier zur Hilfe kamen.

Nach dieser Aktion ging es zurück zur Chemnitzer Hütte.

Der letzte Kurstag begann, Dienstag der 24. Juni. Leider hatte es schon am Abend zuvor angefangen zu gewittern und stark zu regnen. Und früh am Morgen war es nebelig, nass und kalt. Ich zog geschätzt alles an was ich mit hatte. Unser Ziel war der Tristensee und die Tristenspitze (2929m). Wieder suchte Steffen einen Führer für die Gruppe aus, diesmal war es Jürgen. Doch er lief so schnell, dass er bald von dannen war. Nun sollte Jean diese Aufgabe übernehmen. Sehr viel angenehmer erreichten wir dann auch Jürgen am Tristenstausee. Nun die Überlegung von Frank und Steffen. Wir gingen noch etwas weiter, aber das Wetter war nicht auf unserer Seite und somit zogen wir den Rückzug an Richtung Chemnitzer Hütte.

Auf dem Weg dort hin gab es wieder unendlich viele Schneefelder. Und kurz vor der Hütte an einem blieben wir stehen. Hier folgten nun Rutschversuche. Aber gewollte, nicht wie Jean an diesem Tag bereits 2-mal versuchte und geglückte. Wir rutschen erstmal auf unserem Pops einfach hinunter. Dann auf dem Bauch. Und dann Rückwärts, mit dem Versuch sich zu drehen. Es war herrlich. Nass und kalt aber lustig, denn so erfuhren wir, wie man sich beim ausrutschen auf einem Schneefeld verhält. Wir übten die „Katze“ mehrmals um nach kurzen Rutschen wieder zum stehen zu kommen, bevor man in die Felsen kracht.

Nass und hungrig kehrten wir in die Chemnitzer Hütte ein. Aßen einen Apfelstrudel und wärmten uns auf. Der Tag war noch jung, daher machten wir uns noch mal kletterbereit und gingen unterhalb der Hütte an die Felsen. Hier die Übung: Sicherung legen und Standplatz bauen, die Nachsteiger nachholen. Doch auch das ging nur eine gewisse Zeit gut, denn es fing an mit Regen. Aber auch in der Hütte unterhielten wir uns über Schneefelder, Gletscher, Wolken und Rettungsaktionen. Die Männer Frank und Steffen erzählten uns einige lustige aber auch gefährliche Stories aus ihren bisherigen Reiseerlebnissen.

Nun ging auch dieser Tag vorbei und wir aßen ein letztes Mal zu Abend.

Der Tag der Abreise, der 25. Juni. Es gab sogar ein paar kleine Tränchen beim Verabschieden von Anna und Roland. Auch an diesem Tag hatte der Wettergott noch mal Sonnenschein geschickt und somit hatten wir einen perfekten Abstieg. Frank und Steffen begleiteten uns drei zum Nevesstausee. Auf dem Weg runter zu erklärte mir Frank noch ein paar Blumen- und Pflanzenarten der Alpen. Wir verabschiedeten uns herzlich von einander und stiegen in’s Auto, zurück in die Heimat. Wir beschlossen allesamt, wir kommen wieder.

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