Willkommen beim Alpenverein Sektion Chemnitz

Neues vom Verein zum Schutze der Bergwelt

Geschrieben am Montag, 13-01-2020

Mit der Verhinderung der Skischaukel am Riedberger Horn wurde ein großer umweltpolitischen Erfolg errungen. Dass die Staatsregierung von diesem Projekt Abstand genommen hat, ist ganz entscheidend auf unseren Einsatz zurückzuführen und wird von uns  ausdrücklich begrüßt.

Leider handelt es sich hierbei aber nur um eine regionale Momentaufnahme, die notwendige Neuausrichtung der Tourismuspolitik in den Bayerischen Alpen insgesamt hat noch nicht stattgefunden. Nach wie vor setzt man hier auf einen massiven quantitativen Ausbau der bestehenden Skigebiete. In den letzten beiden Jahren ist geradezu eine Welle von Ausbauvorhaben über unseren Alpenraum hereingebrochen (vgl. auch unsere Stellungnahmen zu einzelnen Projekten auf unserer
Homepage). Jenner, Nebelhorn, Söllereck und Grünten sind nur die bekanntesten der einschlägigen Projekte. Die Vorhaben sind nahezu immer mit einem erheblichen Ausbau der Beförderungskapazitäten und der Beschneiungsanlagen verbunden. Da vielfach Schlepplifte durch große Sessel- und Kabinenbahnen ersetzt werden, werden die betroffenen Gebiete nunmehr auch im Sommer intensivst genutzt. Zusätzliche "Fun-Infrastruktur" wie Aussichtsplattformen, Seilrutschen, Sommerrodelbahnen, Downhillstrecken für Moutainbikes usw. sollen die Gebiete auch im Sommer für den Massentourismus attraktiv machen.

So geraten unsere ohnehin schon bis an die Grenze der Belastbarkeit genutzten Berggebiete weiter massiv unter Druck. Getrieben wird diese Entwicklung ganz entscheidend von der Förderpolitik der Staatsregierung. Viele dieser auch wirtschaftlich grenzwertigen Vorhaben können nur mit Mitteln aus der Seilbahnförderrichtlinie realisiert werden. Gemeinsam mit der CIPRA und anderen Umweltverbänden hat der Verein zum Schutz der Bergwelt daher im Rahmen der Fortschreibung der Förderrichtlinie in diesem Jahr versucht, eine Änderung der Förderpolitik zu erreichen. Leider nicht mit ausreichendem Erfolg, sodass wir über eine
Presseinitiative die aus unserer Sicht nunmehr notwendige öffentliche Diskussion gestartet haben. Zeitungen und der Bayerische Rundfunk haben das Thema in den letzten Tagen dann eingehend aufgegriffen.

 

Ein Bild eines dieser Presseberichte bringt dabei die Absurdität dieser verfehlten Ausbaupolitik ganz besonders auf den Punkt: Im Föhnsturm dahingeschmolzene beschneite Pisten des Sudelfelds mit dem praktisch leeren Schneibecken im Hintergrund. Im wahrsten Sinne des Wortes ist hier das Pulver verschossen und die versprochene Schneesicherheit Makulatur. Die Konsequenz ist aber nicht ein Umdenken und die Akzeptanz des Unvermeidlichen, sondern der Versuch, sich mit immer gigantischeren Schneibecken die "Zweitschlagfähigkeit" in diesem Krieg gegen die Natur zu sichern.

Dass sich der zuständige Wirtschaftsminister Aiwanger bei der Rechtfertigung seiner verfehlten Förderpolitik in die Riege der Klimaskeptiker einreiht und die Auswirkungen der Klimakrise auf die Schneesicherheit öffentlich als bloße "Spekulation" abtut, während die Bayerische Staatsregierung zum gleichen Zeitpunkt ein Klimagesetz beschließt, macht wirklich fassungslos. Das ist nicht nur eine gigantische Verschleuderung von Steuermitteln, sondern zerstört gleichzeitig die Grundlage eines zukunftsfähigen Tourismus, nämlich eine intakte und erlebnisreiche Natur und Landschaft. Hoffnung macht hier die Entscheidung der Almbauern und der Gemeinde Bad Kohlgrub, das Skigebiet am Hörnle nicht zu einem alpinen Fun-Park auszubauen und lediglich den bestehenden Lift naturverträglich zu modernisieren, um den beschaulichen Charakter des Gebiets zu bewahren. Soviel Einsicht und Zukunftsfähigkeit wünschen wir uns im neuen Jahr auch von der bayerischen Landespolitik. Der Verein zum Schutz der Bergwelt wendet sich nicht gegen eine angemessene und schonende Modernisierung unserer Skigebiete, er fordert aber eine nachhaltige und an ökologischen Kriterien ausgerichtete Förderpolitik. Vorhaben mit einem Ausbau von Beschneiungsanlagen und mit "Fun-Infrastruktur" müssen dabei von jeder Förderung ausgeschlossen werden. Kein Disneyland in unserer Bergwelt! Liebe Mitglieder, bitte unterstützen sie diese Linie des Vorstands z. B. in öffentlichen Diskussionen und ähnlichen Anlässen.

 

Aber auch im übrigen Alpenraum geht die Erschließungswelle weiter. Bestimmt haben Sie schon vom geplanten Zusammenschluss der Gletscherskigebiete Pitztal und Ötztal gehört:  Bei diesem Mammutprojekt sollen 64 ha Pistenfläche samt Speicherteich und Beschneiungsanlage auf drei bisher unerschlossenen Gletschern angelegt werden. Unterschreiben auch Sie die Petition der Bürgerinitiative Feldring gegen diese gigantische Zerstörung des Hochgebirgsraums! Näheres zu den Planungen hier. Auch die Anbindung des Langtauferer Tals über das noch weitgehend unberührte Melagtal an das Gletscherskigebiet Kaunertal ist weiter in der Diskussion. Bitte unterstützen Sie unsere Freunde in diesen Regionen in ihrem Kampf für eine intakte Bergwelt.