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Tourenwoche am Mont-Blanc - August 2009

von Andreas Scholz

Nach gründlicher Vorbereitung war es am 08.08.2009 endlich soweit. Kurz vor 5:00 Uhr trafen wir uns in Chemnitz vor dem enviaM Verwaltungsgebäude und luden unsere Ausrüstung in Ronalds Kleinbus. Schön, dass wir unsere PKWs auf dem Firmenparkplatz abstellen durften.

Voller Erwartungen fuhren wir, das waren Ronald Gasch, Jan-Olaf Sehm, Nico Hoffmann und ich, in Richtung Chamonix.

Noch vor der Schweizer Grenze begann es kräftig zu regnen und das sollte sich bis zum Erreichen unseres Tageszieles auch nicht ändern. Ursprünglich war geplant, die erste Nacht auf einem Campingplatz zu verbringen. Aufgrund des Regens versuchten wir in Le Tour in einer Hütte des C.A.F. zu übernachten. Leider war sie voll. Doch der hilfsbereite Hüttenwirt organisierte uns nahe des Nachbarortes Montroc eine Unterkunft und reservierte für uns auch gleich eine Übernachtung für den nächsten Tag im >Refuge Albert 1er<.

Schnell fanden wir die gemütliche Hütte mit dem hübschen Namen „Gîte-refuge Le Moulin“ und legten fest, das wird unser Basislager! Das Essen war sehr gut, besonders sind die schmackhaften Vorspeisen zu erwähnen.

Nachdem wir unsere Lager bezogen hatten, fuhren wir nach Chamonix und sahen uns den Ort an. Die Berge waren wolkenverhangen und nur gelegentlich konnten wir einen Blick auf die Gletscher erhaschen.

Am nächsten Morgen packten wir unsere Sieben Sachen, denn nun wollten wir uns intensiv auf die geplante Mont Blanc-Besteigung vorbereiten. Wir fuhren wieder ins benachbarte Le Tour und begannen 8:45 Uhr mit dem Aufstieg zum 2702m hoch gelegenen >Refuge Albert 1er<. Schon vom Parkplatz aus sieht man die Séracs des herabbrechenden >Glacier du Tour<. Über Wiesen und lichten Wald näherten wir uns der Seitenmoräne, auf deren Rücken man bis zur Hütte aufsteigt. Nach 2h45min hatten wir die 1200 Höhenmeter geschafft und erreichten die Hütte.

Nach einer kurzen Pause unternahmen wir noch eine Gletschertour und stiegen bis 3100m auf. Gewaltig die Ausmaße des >Glacier du Tour< und der Anblick der >Aig. du Chardonnet<. Unser Ziel für den nächsten Tag, der 3542m hohe Gipfel der >Aig. du Tour<, wirkt von seiner Südwestseite steil und unbezwingbar. Zurück zur Hütte gingen wir quer durch ein Labyrinth von Spalten über den zumeist aperen Gletscher. Die Wolkenentwicklung war nun schon recht intensiv, erste Regentropfen fielen und gegen Abend gab es ein leichtes Gewitter.

Am Montag Morgen verließen wir unser Lager noch im Dunklen, doch spätestens nach dem Frühstück waren alle munter und gespannt auf den Tag. 5:45 Uhr gingen wir von der Hütte weg und es herrschte schon allgemeine Aufbruchstimmung unter den Seilschaften. Im Tourenführer waren zwei Varianten zur >Aiguille du Tour< beschrieben. Wir versuchten zuerst den Anstieg über das >Col du Midi des Grands<. Doch nach einem Aufstieg von ca. 150 Höhenmetern auf blankem Eis versperrten uns breite Spalten den Weg. Sie zu queren hätte viel Zeit gekostet und außerdem wussten wir nicht genau, wie schwierig beim aktuellen Stand des Gletschers der Übergang zum Col ist. So entschieden wir, über das südlich der >Aig. du Tour< gelegene >Col superieur du Tour< auf das >Plateau du Trient< zu gehen.

Mittlerweile war es hell geworden, doch gelegentlich nahmen uns vorüberziehende Wolken die Sicht. Eine Zwangspause bescherte uns Nicos gebrochenes Steigeisen. Glücklicherweise passierte es im flachen Terrain und wir konnten das Steigeisen provisorisch reparieren. Somit waren wir am Nachmittag um eine Aufgabe reicher. Es mussten ein paar neue Steigeisen her.

Der Einstieg zum >Col sup. du Tour< beginnt an einem markanten Windkolk. Hier kann man in aller Ruhe noch einmal seinen Sonnenschutz überdenken, einen großen Schluck aus der Trinkflasche nehmen und vielleicht einen Powerriegel verspeisen.

Die Rinne zum Col ist nur ca. 150 bis 200m breit, beherbergt aber in der unteren Hälfte einige ernst zu nehmende Spalten. Im oberen, ca. 40 bis 45° steilen Teil fanden wir blankes Eis vor. Nach kurzer, leichter Kletterei durch das >Col sup. du Tour< standen wir auf einem Plateau aus Eis und Schnee, dem >Plateau du Trient<. Nach Norden fließen die Eismassen im >Glacier du Trient< und nach Osten im >Glacier d Orny< ab. Über dieses Plateau gelangt man auch zur Hütte >Cabane du Trient<, die aber unserem neuen Zeitplan zum Opfer fiel. Von dieser Seite ragt der Gletscher höher an die Felsnadeln heran. Dadurch erscheinen sie nicht mehr so unbezwingbar. Vom Col gingen wir zunächst parallel zum Fels noch einen knappen Kilometer bis wir am Einstieg zur >Aig. du Tour< standen. Nachdem wir den Bergschrund überwunden hatten, legten wir im felsigen Terrain den Großteil unserer Ausrüstung ab. Der Weg zum Gipfel ist felsig, steil und stellenweise etwas kniffelig. Wir mussten nicht sichern, dafür aber aufpassen, dass wir uns nicht verstiegen. 9:00 Uhr standen wir am südlichen der beiden Gipfel der >Aiguille du Tour< in 3542m Höhe.

Das Wetter war nun deutlich schöner geworden und so konnten wir die weite Sicht von diesem beeindruckenden Aussichtpunkt genießen. Der Abstieg vom Gipfel gestaltete sich einfacher als wir dachten. Zügig erreichten wir unser Rucksackdepot, an dem wir vor großer Kulisse unser zweites Frühstück einnahmen.

Als Abstieg zur >Refuge Albert 1er< wählten wir die gleiche Route wie am Morgen, denn bis zum Parkplatz im Tal waren satte 2050 Höhenmeter Abstieg zu bewältigen und um Nicos Steigeisen mussten wir uns auch noch kümmern. 12:00 Uhr hatten wir die Hütte wieder erreicht und genehmigten uns leckeren Kuchen und eine große Tasse Kaffee. Der weitere Abstieg ging ordentlich in die Knochen. Da die Trinkreserven mittlerweile aufgebraucht waren, stellten die zuckersüßen Heidelbeeren am Wegesrand eine willkommene Erfrischung dar.

Es waren nur noch wenige Meter bis zum Parkplatz, als ein kräftiger Regenschauer über uns hereinbrach. Es stellte sich uns die Frage: „Wie kommen wir am schnellsten zum Auto? Luftlinie über eine Weide oder entlang des Weges, vorbei an der Hütte in Le Tour.“

Wir haben es getestet. Die Luftlinie endete für Ronald und mich etwa 20m vor dem Auto in einem undurchdringlichen Gestrüpp, Nico und Olaf warteten an der Hütte unter einem Vordach bis wir sie abholten.

Noch bevor wir losfuhren, testeten wir Ronalds Steigeisen an Nicos Schuhen. Er hatte Glück, sie passten. Da Ronald noch ein Paar Ersatzsteigeisen im Auto hatte, blieb uns die Einkaufstour nach Chamonix erspart.

Nun fuhren wir zurück zu unserem Basislager in dem auf uns eine warme Dusche und das leckere Abendessen bereits wartete.

Als nächste Etappe unserer Höhenanpassung stand für Dienstag die Besteigung des >Mont Blanc du Tacul< auf dem Tourenplan. Sie sollte uns nun schon deutlich über die Marke von 4000m hinaufführen. Der Wetterbericht sagte bis Donnerstag schönes und stabiles Bergwetter voraus. Nach der Besteigung des >Mont Blanc du Tacul< wollten wir entscheiden, ob wir noch eine Akklimatisationstour vor dem >Mont Blanc< benötigten oder lieber die recht zuverlässige Wetterprognose bis Donnerstag Abend nutzen sollten.

Wieder hieß es zeitig aufstehen. Schon am Vorabend hatte uns der Hüttenwirt das Frühstück bereitet. Gegen 5:30 Uhr fuhren wir nach Chamonix und entschieden uns dort, ein sogenanntes Multipass-Ticket für 3 Tage zu lösen. Mit diesem Ticket kann man alle Bahnen von Chamonix innerhalb des gelösten Zeitraumes benutzen und muss sich auch nicht um vorbestimmte Rückfahrzeiten von der >Aiguille du Midi< kümmern.

6:30 Uhr fuhren wir mit der ersten Bergbahn zur Midi-Station. Der Morgen war herrlich. Die Täler waren noch voller Wolken und hier oben purer Sonnenschein. Alle Insassen dieser frühen Bahn hatten nur ein Ziel; das Stollenloch. Durch eine kleine Tür verlässt man den sicheren Bereich der Bergstation und steigt auf einem sehr schmalen Firngrat hinab zum >Col du Midi<. Von einem Felsen grüßt die >Refuge des Cosmiques< herüber, zu deren Füßen sich ein richtiges kleines Zeltlager befand.

Die vereiste Nordwestflanke des >Mont Blanc du Tacul< wirkte riesig und steil. Voller Ehrfurcht schauten wir hinauf und waren gespannt, wie wir den Anstieg bewältigen würden. Große Séracs hängen überall im steilen Hang und stellen eine Gefahr für die Besteigung über diese Route dar. Der Schnee war noch fest gefroren und wir kamen gut voran. Einzig Trink- und Fotopausen unterbrachen für kurze Zeit unseren gleichmäßigen Aufstieg. Genau drei Stunden, nachdem wir das Stollenloch an der Midi-Station verlassen hatten, standen wir auf dem 4248m hohen Gipfel des >Mont Blanc du Tacul<. Die letzten Meter zum Gipfelkreuz sind felsig und waren vereist. Im Abstieg haben wir in dieser Passage gesichert. Für uns alle war es der bis dahin höchste Gipfel. Die Sicht war großartig. Die immerhin 3842m hohe >Aiguille du Midi< lag weit unter uns und die viel tiefer hängenden kleinen Kumuluswolken gaben uns das Gefühl, als schauten wir aus einem Flugzeug.

Von der in westlicher Richtung verlaufenden Schulter des >Mont Blanc du Tacul< konnten wir zum sehr steil verlaufendenden >Col du Mt. Maudit< sehen. Einige Seilschaften waren in dieser Route unterwegs. Vom Col bis zum Bergschrund sind es ca. 80 Höhenmeter mit einer Hangneigung von 45 bis 50°. Dies ist die Schlüsselstelle bei der Mont Blanc-Überschreitung.

Im Abstieg wurde der Schnee allmählich weicher und 14:00 Uhr waren wir wieder zurück an der Midi-Station.

Nun herrschte hier natürlich Hochbetrieb. Erfahrenes Personal filtert hier mit entschlossenem Handeln Touristen nach dem Verlassen der Seilbahnkabine heraus, die Probleme aufgrund der Höhe bekommen. Als Bergsteiger muss man sich übrigens keine Sorgen um den Termin der Talfahrt machen, man wird mit jeder Bahn mitgenommen.

Nachdem wir auf dieser Tour keinerlei Probleme hatten, stand die Entscheidung fest; am Mittwoch brechen wir zum höchsten Berg der Alpen auf.

Im Basislager räumten wir erst einmal Ronalds Auto komplett leer, um wieder etwas Ordnung zu schaffen. Alles Unnötige wurde aus den Rucksäcken verbannt und Ausrüstung sinnvoll aufgeteilt. Großen Wert legten wir auf genügend Getränke.

Das Abendbrot war wieder wunderbar und mit Rotwein stießen wir auf den Gipfelerfolg des Tages an.

Für Mittwoch hatten wir eine bestätigte Reservierung im >Refuge de Tête Rousse< und unser Ziel war es, am Donnerstag auf dem sogenannten Normalweg zum >Mont Blanc< aufzusteigen. Am Gipfel wollten wir dann entscheiden, ob wir den >Mont Blanc< bis zur >Aiguille du Midi< überschreiten oder den gleichen Weg zurückgehen wollen. Da man für die 550m höher gelegene und oft überfüllte >Refuge de l´Aiguille du Goûter< kaum eine Reservierung bekommt, kann man dies nur durch entsprechend zeitigeren Start an der > Refuge de Tête Rousse< kompensieren.

Gut gestärkt und ausgeschlafen fuhren wir am Mittwoch nach dem Frühstück mit dem Auto bis St.-Gervais-les-Bains, Ortsteil Le Fayet. Dort beginnt die Auffahrt mit der >Tramway du Mont-Blanc<, einer Zahnradbahn, die bis zur 2372m hoch gelegenen Bergstation >Nid d´Aigle< fährt. Wir mussten nur eine Bahn abwarten. Auch hier war das 3-Tageticket sehr hilfreich, da weitere Bahnen bereits ausgebucht waren, wir aber bevorzugt mitgenommen wurden. Die Fahrzeit beträgt eine Stunde. 12:40 Uhr kamen wir an der Bergstation an und wurden befragt, ob wir eine Reservierung auf einer der Hütten besäßen bzw. dass man am >Refuge de Tête Rousse< nur für eine Nacht im Zelt biwakieren darf. Der Anstieg zur Hütte verläuft durch ein recht ödes und steiniges Gebiet. Bezeichnend der Name >Desert de Pierre Rondes<. Doch es lohnt sich durchaus, die Gegend etwas genauer zu beobachten. Es leben hier viele Steinböcke, die auch recht zahm sind. Da gelingt so manch beeindruckendes Foto.

Es begann gerade auf dieser Höhe die große Zeit des Abstieges. Nicht für uns, sondern für die vielen Seilschaften, die an diesem schönen Tag auf dem Gipfel waren. Manche kamen uns zügig und gut gelaunt entgegen doch einige waren von den Strapazen des Tages auch arg gezeichnet. Wie wird es uns wohl am nächsten Tag ergehen, wird sich jeder von uns gefragt haben.

15:30 Uhr kamen wir am >Refuge de Tête Rousse< an, bezogen unser Lager und überzeugten uns von der Koch- und Backkunst des Küchenpersonals. Nachdem wir uns gestärkt hatten, gingen wir ohne Gepäck noch bis zum Einstieg der steilen Flanke, die zur >Refuge de l´Aiguille du Goûter< hinaufführt. Wir wollten uns bei Tageslicht ansehen, wie man am Besten geht. Im unteren Teil des Anstieges gilt es, das sogenannte >Grand Couloir< zu queren, eine steile und sehr steinschlaggefährdete Rinne. Life und in Farbe konnten wir uns davon überzeugen. Eine im Abstieg befindliche Gruppe war gerade dabei, die etwa 50m breite Rinne zu queren, als der Steinschlag begann. Glücklicherweise konnte die, in der Rinne befindliche Person hinter einem kleinen Buckel in Deckung gehen und wurde von keinem Stein getroffen. Es waren kiloschwere Brocken, die durch die Luft flogen, aufsetzten und ihre Richtung änderten. Die Rinne zeigt nach Westen und wird im späten Nachmittag von der Sonne so richtig aufgeheizt. Unsere Hoffnung war, dass nachts, wenn Frost herrscht, die Steinschlaggefahr deutlich geringer sein würde.

Ab 1:30 Uhr bekommt man im >Refuge de Tête Rousse< Frühstück. Wir entschieden uns jedoch für eine Übernachtung ohne Frühstück, denn bereits 1:00 Uhr wollten wir aufbrechen. Die Hütte war voll belegt, aber nicht überfüllt. Das Abendbrot wurde in zwei Durchgängen gereicht und wir waren 19:30 Uhr dran. Nach einem beeindruckenden Sonnenuntergang legten wir uns gegen 21:00 Uhr für 3 ½ Stunden aufs Ohr. Doch an Schlaf war in dieser kurzen Nacht nicht wirklich zu denken. 22:00 Uhr kamen die Letzten ins Lager und ständig ging jemand auf Toilette. Aber auch das Adrenalin hat sicher schon gewirkt.

0:30 Uhr hieß es dann endlich Aufstehen und wir verließen als Erste das Lager. Den gestellten Wecker meines Handys hatte ich bereits vorzeitig ausgeschaltet. Alles lag schon griffbereit da, die Rucksäcke waren gepackt und die Stirnlampen auf den Helmen befestigt. 1:10 Uhr war dann der Augenblick gekommen. Im Schein unserer Stirnlampen ging es hinaus in die sternenklare Nacht. Wunderschöne Sternschnuppen konnten wir beobachten; was mögen wohl die Wünsche gewesen sein? In den Tälern leuchteten die Orte wie Spielzeugstädte. Zwei weitere Seilschaften, die in Zelten übernachtet hatten, waren ebenfalls um diese Zeit aufgebrochen. Am >Grand Couloir< herrschte absolute Ruhe. Wir querten es dennoch zügig. Auch im weiteren Verlauf des Aufstieges zum >Refuge de l´Aiguille du Goûter< haben wir keinen Steinschlag in der benachbarten Rinne wahrgenommen. Die Felsrippe, auf der man aufsteigt ist steil und an einigen Stellen befinden sich Stahlseile. 3:20 Uhr erreichten wir das >Refuge de l´Aiguille du Goûter<. Dort herrschte noch reges Treiben, obwohl sicher zeitgleich mit uns schon viele Seilschaften Richtung >Mont Blanc< aufgebrochen waren. Von nun an ging es nur noch über Gletscher. Wir legten unsere Steigeisen an und gingen noch einige Meter, bevor wir an einem ruhigeren Platz unser Seil aufteilten. Gleichmäßig und nicht zu schnell wollten wir gehen. Vor uns befanden sich schon eine Vielzahl winziger Lichterketten und deuteten die Richtung an. Es war recht kalt aber fast windstill und der Schnee knirschte unter unseren Steigeisen. Ganz allmählich wurde es am östlichen Horizont etwas heller und zum Sonnenaufgang befanden wir uns bereits am Vallot-Biwak. Der Blick auf den gewaltigen Bossesgrat im ersten Morgenlicht war überwältigend. Auf zum Teil schmalen Firngraten schlängelte sich die Spur in Richtung Gipfel. Ab etwa 4500m Höhe spürten wir den Einfluss der dünneren Luft. Es ging uns allen zwar sehr gut, aber das Steigen fiel schon etwas schwerer; besonders wenn es galt, andere Seilschaften zu überholen.

Nun kam die Sonne immer höher und der >Mont Blanc< warf einen markanten Schatten im Dunst des Morgens in Richtung Westen. 8:10 Uhr standen wir glücklich am Gipfel des höchsten Berges der Alpen, dem >Mont Blanc<. So richtig konnte man es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht fassen. Kein Gipfelkreuz, kein Gipfelbuch nur all die hohen Berge um uns herum wirkten so viel kleiner. Es lag nur ein leichter Dunst in der Luft und die Blicke reichten unendlich weit, Matterhorn, Grand Paradiso, Monte Rosa Massiv ...

Eine halbe Stunde standen wir auf dem Gipfel, als es uns dann doch etwas kühl wurde. Da wir sehr zeitig am Gipfel waren und es uns allen gut ging, beschlossen wir, den >Mont Blanc< zu überschreiten und Richtung >Mont Maudit< weiterzugehen. Im Abstieg wurden dann auch schnell unsere Füße wieder warm. Nun kamen uns schon die ersten Seilschaften entgegen, die den Aufstieg von der Cosmiques Hütte begonnen hatten.

10:20 Uhr erreichten wir das >Col du Mont Maudit< hinter dem uns der steile Hang erwartete. Mehrere Seilschaften waren damit beschäftigt, sich im Auf- bzw. im Abstieg zu sichern. Ungesichert war es auch uns viel zu riskant, zumal wir wussten, dass im Übergang zum etwas flacheren Gelände der Bergschrund auf jeden zu risikofreudigen Bergsteiger wartete. Ronald sicherte zunächst Olaf bis zu einem Felsen mitten im Hang. Am Seil ging es dann rückwärts, auf den Frontalzacken absteigend hinunter. Nachdem wir den Bergschrund auf einer Schneebrücke überquert hatten, war erst einmal Trink- und Essenpause angesagt. Von nun an war der Abstieg mit zwei durchaus würzigen Gegenanstiegen einfacher und für uns ab der Westschulter des >Mont Blanc du Tacul< auch bekannt. 13:20 Uhr erreichten wir das >Col du Midi<, ruhten uns noch einmal aus, um anschließend den letzten Gegenanstieg zur >Aiguille du Midi< in Angriff zu nehmen. 14:30 Uhr hatten wir es geschafft und fuhren mit der Bergbahn hinunter nach Chamonix. Während der Talfahrt schickten wir noch schnell eine SMS in unser „Basislager“ mit der Bitte, eine weitere Nacht dort verbringen zu können.

Von Chamonix fuhren wir mit dem Zug zurück zum Auto und nutzten die Fahrzeit für ein kurzes Schläfchen.

Hinter uns lag eine wunderschöne und beeindruckende Hochtour. Alles hatte gepasst; die Vorbereitung, unsere Kondition, die Ausrüstung, die Kleidung und vor allem die Chemie in der Gruppe!

Am Abend stand dann die Frage im Raum: „Was machen wir morgen? Gehen wir noch eine Tour oder schlafen wir aus, frühstücken gemütlich und fahren dann in aller Ruhe nach Hause?“ Die Entscheidung fiel einstimmig: „Ausschlafen ...“

Offen seitens der ursprünglichen, groben Tourenplanung war noch die Überschreitung des >Dômes de Miage<. Doch diese, sicherlich ebenfalls großartige Tour, heben wir uns für einen späteren Zeitpunkt auf.

Topographische Karten:
Institut Geographique National: 3531 ET St-Gervais-Les-Bains, Massif du Mont Blanc (1:25000)
Institut Geographique National: 3630 OT Chamonix, Massif du Mont Blanc (1:25000)

Wetterbericht für Chamonix und das Mont Blanc-Gebiet:
Unter http://chamonix-meteo.com/ gibt es einen professionellen Wetterbericht in englischer und französischer Sprache. Dieser Wetterbericht hängt auch in den örtlichen Informationsstellen aus.