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Eisklettern in Osttirol

Von weichem Eis und harter Kommunikation

12.02.2026

Eisklettern in Osttirol: Von weichem Eis und harter Kommunikation

Wie fast jedes Jahr zog es Rene und mich (Johannes) auch diesmal wieder Richtung Hohe Tauern. Die Vorzeichen waren allerdings eher mau: Schon am Felbertauerntunnel zeigte das Thermometer über 5 °C. Auf der Südseite dann das erwartete Elend – Südstau, Nebel, Sichtweite gefühlt Null. Die Stimmung im Auto passte sich dem Grau draußen nahtlos an, während wir im Isel- und Defereggental vergeblich versuchten, überhaupt mal einen Eisfall durch die Suppe zu erspähen.

Warmstart im Iseltal

Dank guter Kontakte in Kals wussten wir zum Glück, wo sich das Suchen lohnen könnte. Am nächsten Tag stiegen wir in den Brühlfall (bis WI5) ein. Er stand trotz der Wärme noch gut da. In der letzten Seillänge wurde es zwar etwas abenteuerlich – unter einigen Löchern rauschte bereits hörbar der Bach – aber das Eis war plastisch und ließ sich super klettern. Ein Hoch auf die gebohrten Standplätze, die einem hier das Leben leicht machen. Da wir die Ersten am Einstieg waren, lief es flüssig, und wir waren mittags schon wieder unten.

Beim Abseilen gab uns ein Bergführer aus dem Allgäu den Tipp, dass der „Zottenbock“ im Defereggental gut gehen soll. Wir schauten uns danach noch kurz den „Roten Graben“ an, eine WI5-Säule, bei der an einer Stelle zur Hälfte das Wasser drüberlief. Ein Bergführer war dort gerade mit Gast unterwegs – wir schauten kurz zu, entschieden aber: Man muss das Glück heute nicht überstrapazieren. Lieber den Tag im Gasthaus ausklingen lassen.

Steil, Steiler, Zottenbock

Samstag ging es dann zum Zottenbock (bis WI5+). Der Zustieg ist zwar kurz, aber steil genug, um ordentlich ins Dampfen zu kommen. Oben angekommen, dampften wir allerdings gleich weiter – diesmal vor Respekt beim Anblick der Crux-Seillänge.

In unserer Seilschaft läuft es zum Glück so, dass wir sehr offen über Grenzen reden. „Was geht heute, was geht nicht?“ Rene übernahm schließlich den Vorstieg in diese senkrechte Länge aus Röhreneis. Das hat uns beiden mental einiges abverlangt, sowohl vorne im scharfen Ende als auch hinten am Standplatz beim Sichern. Umso größer war die Freude am Ausstieg: Unsere erste gemeinsame WI5+. Da merkt man erst mal, wie sehr man sich in den letzten Jahren als Team entwickelt hat.

Abgang mit schweren Beinen

Am Abreisetag kletterten wir vormittags am Lucknerhaus noch den Rechten Lucknerhausfall (bis Wi4) im sonnigen Angesicht des Großglockners. Da merkten wir dann aber doch die Knochen und die Meter der letzten Tage.

Fazit: Drei Tage Eisklettern, die sich richtig gelohnt haben. Aber das Wichtigste war mal wieder die Erkenntnis: Es steht und fällt mit der Kommunikation. In unserer Seilschaft wird offen geredet, ohne blöde Kritik, aber mit viel gegenseitigem Respekt und Motivation. Danke Rene für die starken Tage!