8:30 Uhr brachen wir am dritten Tag von der Jamtalhütte auf; heute soll es zum Madlener Haus am Silvrettastausee bzw. Bieler Höhe gehen. Der als schwer angegebene Weg führt über den Edmund Lorenz Weg ansteigend zur Gletschnerscharte 2.839 m. Es war schlechtes Wetter mit Gewitterneigung angesagt. Genau an der Scharte fiel merklich die Temperatur und es ging ein Graupelschauer nieder. Anschließend setzte Regen ein, zunächst schwach aber stetig stärker werdend. Nach einem Geröllabschnitt waren uns unschlüssig, wie der Weg weiter geht. Der Weg war durch eine neue Verlegung aus dem Geröllfeld zunächst nicht eindeutig zu finden (links oder rechts des Weißen Baches). Rechts war richtig und über eine Brücke über den Bieltalbach erreichten wir völlig durchnässt nach 6,5 Stunden, 11 km, 750 m auf- und 850 m abwärts den Silvrettastausee und etwas unterhalb das Madlener Haus. Andreas, unser Wanderleiter, testete einen neuen Trekkingschirm, kollidierte dabei fast mit einer Kuh auf dem Weg. In der Unterkunft zogen wir die nassen Klamotten von unseren wettererprobten Leibern, der Trockenraum war so nass, dass gleich eine Hüttenhilfe den Boden wischen musste. Wir nannten diese Tour schlussendlich „wash and go“. Aber die Gruppe ließ sich den Spaß nicht verderben und nach einer Stärkung gab es wieder harte Rausschmeißerrunden.
Am nächsten, den vierten Tag, war unser Ziel die Saarbrücker Hütte. Zuvor gingen wir zum Silvrettastausee, um die morgendliche Stille am Wasser zu genießen. 9:30 Uhr wanderten wir los. Zunächst geht´s ein Stück die Fahrstraße abwärts, dann zweigt der Weg 302 links ab, der Kroner Bach wird überquert und an der Ill gingen wir ein Stück westlich, bis wir auf den Hüttenweg zur Saarbrücker Hütte kamen. Ein schöner Blick auf den Vermuntstausee entschädigte uns für die Mühen. Der Hüttenweg zog etwas eintönig immer höher an einem alten Zollhaus vorbei zur Hütte, die wir schon von Weitem sahen. Jeder ging in seinem Tempo, es hatte bei leichten Nieselragen meditativen Charakter. Auf der Saarbrücker Hütte (2538 m) begegnete uns eine kleine Gruppe junger Bergfreunde aus unserer Sektion. Der Organisator hatte großes Interesse am Vereinsleben des DAV und wir konnten ihn motivieren, sich als künftiger Wanderleiter in der Geschäftsstelle vorzustellen, Nachwuchs ist schließlich wichtiger denn je. Diese Tour war 7,5 km lang, es ging 675 m hoch und 125 m runter. Am Abend wurde wie gewohnt „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt.
Der Übergang zur Tübinger Hütte stand am fünften Tag auf dem Plan. Bei Komoot heißt es, ein Teil der Route führt durch technisch, anspruchsvolles Gelände, also ist besonders viel Aufmerksamkeit nötig. 8:15 Uhr verließen wir die Saarbrücker Hütte in südwestlicher Richtung auf dem Weg zur Seescharte. Weiter ging es aufwärts auf 2776 m zu dieser Scharte, wo wir an einem schönen alten Zollhaus rasteten. Der Weg führte uns nun leicht abwärts über Schotterfelder nördlich des sterbenden Seegletscher entlang und schließlich wieder steiler hoch zum Plattenjoch auf 2728 m. Hier herunter war guter Rat teuer, der Weg war zwar markiert, aber teilweise abgerutscht und über brüchiges loses Geröll steigen wir mit größter Vorsicht am Rand des kaum noch wahrzunehmenden Plattengletschers abwärts. Dieser Weg müsste meiner Meinung nach gesperrt werden, denn auch mit alpiner Erfahrung ist er ein Wagnis. Das bestätigten auch die Wegebauer der Sektion Tübingen, die gerade an der Hütte die Wege instand setzten. Aber es sei der einzige Hüttenzustieg aus dieser Richtung und es gäbe keine Alternative. Wie dem auch sei, es war grenzwertig, wir hatten mit dem Wetter Glück und kamen alle heil durch. Nach 4 Stunden, 5 km, 350 m auf- und 680 m abwärts erreichten wir die Tübinger Hütte. Das Prozetere war wie immer Stärkung und am Abend Rausschmeißer.
Morgens, am sechsten Tag, gab die Wetterprognose leider ein düsteres Bild; beginnender, zunehmend ergiebiger Dauerregen. Da es ohnehin ins Tal der Ill nach Gaschurn zum Hotel Zerres ging, beschlossen wir, wetterbedingt die Wanderwoche um einen Tag zu verkürzen. Auf geht´s um 8:15 Uhr bei noch trockenen Bedingungen. Da wir nicht gleich auf den Hüttenweg absteigen wollten, wählten wir die Route oberhalb in Richtung Nordosten an der Westflanke der Valgragges Spitzen in Richtung Hochmaderer Joch, gingen aber vorher an einer Gabelung links ins Gatschettatäli immer an der Flanke des Bergstockes entlang. Es gab mehrere steile Rinnen zu durchqueren, die wiederum volle Aufmerksamkeit verlangten. Um den Alpilakopf herum kamen wir schließlich zu einem Jagdhaus Neualpe, wo wir rasteten. Nun setzte zunächst leichter Regen ein, in der Waldzone stiegen wir im Zickzack steil abwärts bis wir oberhalb Gaschurn zu den ersten Häusern kamen. Hier ging es nun bei stärkerem Regen in Richtung Partenen, wo wir patschnaß am Ortseingang nach 15 km 230 m auf- und 1410 m abwärts gegen 15 Uhr das Hotel erreichten. Nachdem wir in trockenen Sachen und wieder ausgeruhter waren, verbrachten wir den Abend natürlich mit Rausschmeißer, aber diesmal war es ein Spiel mit sechs Teilnehmern, so wurden wir durch das ständige Rausfliegen nicht fertig, die Müdigkeit zwang uns zum vorzeitigen Beenden.